Das Chaos

    • Sehr schöner Teil, finde ich. Konnte mir fast alles bildlich vorstellen, vor allem die Vanessa-Lutetia Begegnung, die mir irgendwie bekannt vorkommt.
      Schön, dass Tuomas noch so cool sein kann, auch wenn absehbar ist, dass bald ein Massaker stattfinden wird. ^^
      Ich hoffe es geht bald weiter und wir kriegen bald was zu hören ;)
    • Also... drei Kommentare für zwei ganze Absätze, und dann auch noch storylastig und ziemlich lang?
      Das ist aber wirklich enttäuschend. Bin ich denn so schlecht geworden, ohne es zu merken?
      Das tat weh...
      Na ja, okay. EIn neuer Absatz, aber nicht so lang.... viel Spaß -- wenn das hier überhaupt noch wer liest. ;__;"

      Dass der Absatz so ist, wie er ist, verdankt ihr Tayalein -- danke für "Follower". Ohne das Lied hätte ich niemals so schreiben können.
      (Follower von Katatonia, wenn es jemanden interessiert.)


      [...]
      Ferry wusste, dass all seine Versuche, länger am Leben zu bleiben als ihm zustand, auf eine Katastrophe hinausliefen. Wer sich gegen sein Schicksal sträubte, wurde bestraft, so war es schon immer gewesen. Das war Gesetz.
      Er schnalzte leicht mit der Zunge und fuhr sich mit beiden Händen durch das fast weiße, struppige Haar. Der Geschmack in seinem Mund, der ihm Gewissheit gab, dass es bald vorbei mit ihm sein würde, war allgegenwärtig.
      „Du hast es übertrieben.“ Ferry hatte es noch immer nicht übers Herz gebracht, sich von Herrn Schlange zu trennen, auch wenn er mittlerweile den Ärmel der Zwangsjacke so weit zerrissen hatte, dass er die Hand wieder benutzen konnte und Herr Schlange ohne Innenleben leblos neben seinem Handgelenk hin- und herbaumelte.
      „Ja“, sagte Ferry leise. „Vielleicht. Aber kann ich es noch wieder gut machen – hoffe ich. Ich habe gehört, was Acrux gesagt hat. Ich bin nicht dumm.“
      „Das hat auch niemand behauptet“, sagte Herr Schlange langsam. Der lange Stoffstreifen, der normalerweise auf der Rückseite der Zwangjacke in die Schnallen geschlungen war und jetzt als Herr Schlanges Zunge diente, schleifte über den Boden und war schon lange nicht mehr weiß. „Aber glaubst du wirklich, du kannst dich noch retten?“
      „Das nicht, nein“, sagte Ferry und lehnte sich kraftlos gegen die grobe Backsteinmauer hinter ihm. „Ich bin schon lange überfällig. Meine Zunge wird schon ganz taub, und das hatte ich noch nie. Der Geschmack war immer da, ja, aber das hier... ist anders. Das hier ist endgültig.“
      „Und? Was wirst du tun?“
      „Warten, was passiert. Ich werde nicht mehr weglaufen.“ Ferry rutschte auf den Boden und blieb in einer Pfütze sitzen. Es hatte wieder angefangen zu regnen und er trieb sich wieder in verwaisten Nebenstraßen herum, damit niemand auf ihn aufmerksam werden würde. Seine Kleidung war zerrissen und mit Blut und Straßendreck verschmutzt, seine Haare waren struppig und strähnig, die Augen quollen etwas aus den Höhlen und langsam aber stetig färbten sich seine Lippen immer dunkler. Man konnte dem nahezu zusehen.
      Ferry hatte Recht – diesmal war es endgültig. Mit jeder Sekunde fühlte er sein Ende näher kommen.
      „Tja“, sagte er und betrachtete seine zitternden, mit hervorstehenden Sehnen durchzogenen Hände und bildetet sich ein, dass die Fingerspitzen sich dunkel verfärben, je länger er sie anstarrte. „Ich hätte gern vorher noch mal gemalt, aber meine Hände zittern so sehr, dass ich keine gute Linie mehr hinbekäme.“
      Ferry und Herr Schlange schwiegen einander an. Es regnete leise auf sie hinab und Wasser lief in kleinen Bächen an Ferrys Nase vorbei. Sein Mund blieb stetig in Bewegung, weil er fürchtete, sonst könnte er irgendwann alles Gefühl aus der Zunge verlieren.
      „Ich will nicht“, sagte Ferry irgendwann leise und schlang die Arme um die angezogenen Knie. Herr Schlange antwortete nicht, weil Ferry ihn nicht ließ. Es war ein lustiges Spiel gewesen, als er auf die Idee gekommen war, weil die Zwangsjacke sich so sehr als Schlangenadaption angeboten hatte, aber mittlerweile war ihm der Humor vergangen. Es war schön gewesen, so zu tun, als hätte man einen Gesprächpartner gehabt, aber jetzt fühlte Ferry sich wirklich allein. Er wollte bei jemanden sein, wenn es aus sein würde. Aber wo sollte er hin? Er hatte keine Freunde.
      Ferry sah hinauf in den grauen Himmel. „Ich habe Angst“, sagte er leise und schloss die Augen, um ins Nichts zu fallen.
      Er war nicht das erste Mal dort; die wenigsten ihrer Art waren noch niemals dort gewesen, denn die Leere war der Beginn und das Ende von allem. Vielleicht zog es Ferry deswegen jetzt hierher.
      Die riesige Tür ragte in die Dunkelheit und wirkte bedrohlich und einschüchternd, wenn man den Kopf in den Nacken legte und versuchte, ihr Ende zu erspähen. Das leise Wehklagen der versiegelten Leiber wurde von der Stille verschluckt und Ferry spürte, wie sich ihm die Nackenhaare aufstellten. Er fragte sich, wie lange man wohl unterwegs wäre, bis man ans andere Ende der Türe gelangen wollte – wahrscheinlich ein paar Ewigkeiten.
      Wenn man hier so stand und versuchte, darüber nachzudenken, wie das Universum war, bekam man früher oder später Kopfschmerzen. Wenn Ferry darüber nachdachte, wie viel Macht Sol innehaben musste, um ein solches Wunder zu verbringen – das Urchaos zu versiegeln! Dieses Wesen, von dem niemand wusste, was genau es war oder wie es entstanden war. Das Ungeheuer, das über den Zerfall und den Wiederbeginn alles Lebens bestimmen konnte. Die unendliche Leere und viel zu viel für ein normales Vorstellungsvermögen.
      Ferry merkte, dass ihm etwas schlecht wurde, aber das war normal, wenn man nur selten oder gar das erste mal hier war. Er wandte den Blick ab.
      Ein Geräusch, das nicht zu dem üblichen, wehleidigen Klagelied der Siegel passte, ließ ihn aufmerken. Es klang wie ein ersticktes Schluchzen und gleichzeitig war da das Geräusch von gierigem Schlürfen und Nagen.
      Ferry wappnete sich gegen alles und ging dann langsam in die Dunkelheit hinein, auf die Tür zu. Schwarze Schleier sammelten sich um ihn herum, drangen ihm in die Nase und die Ohren und den Mund, aber Ferry achtete kaum weiter darauf – die Schleier waren immer da, auch in der Welt der Menschen, dort sah man sie nur nicht. Irgendwann würden sie ihn ganz eingehüllt haben. Es wurden mit jeder Minute mehr. Seine Finger und Zehen waren mittlerweile schwarz, auch seine Haarspitzen fingen an, sich zu verfärben.
      Am Fuß der Türe lag ein Stoffhaufen. Goldener, weißer und gelber Stoff war zusammengeknäuelt worden. Ferry runzelte die Stirn, als das Bündel sich bewegte.
      Als er der Tür immer näher kam, sah er, dass aus dem Stoffgewirr eine dünne Hand hervorschoss, die ein wenig Licht ausstrahlte, sich um ein Körperteil eines Siegels schlang und es gewaltvoll herausriss. Hand und Extremität verschwanden wieder zwischen den Stoffen.
      Ferry machte noch einen Schritt, und das Knäuel zuckte zusammen und fuhr herum – zwei große, neonblaue Augen starrten Ferry unter langen, hellblonden Wimpern an.
      Vor ihm saß ein Kind, das unmöglich über fünfzehn hätte sein können. Man konnte kaum sagen, ob Mädchen oder Junge, denn alle sekundären Geschlechtsmerkmale waren unersichtlich und bei seinem schönen Gesicht, den großen Augen und den langen Wimpern war es schwer, sich fest zu legen.
      Das Gesicht des Kindes war mit einer geronnenen, schwarzen Flüssigkeit verschmiert und seine Kleider waren viel ihm zu groß und rutschten ihm von den bleichen, dürren Schultern sodass der Oberkörper fast nackt war. Sein Haar war überbodenlang und sein Diadem saß schief auf dem Kopf, auf der einen Seite nur von seinem Ohr gehalten.
      Er hielt einen abgerissenen Arm in den schmalen Fingern. Vor ihm lagen einige abgenagte Knochen.
      Ferry machte vorsichtig einen Schritt nach hinten und das Kind richtete sich auf, seine Gewänder festhaltend. Es reichte Ferry nicht einmal bis zur Brust.
      „Was machst du denn hier?“, fragte es verärgert. Seine Stimme war glockenhell, klar und rein, doch ein Ferry gut bekannter, arroganter Befehlston war nicht gewichen. Es bestand kein Zweifel: Lucifer war wieder ein Kind.
      „Was zum...“, fing Ferry an und machte noch einen Schritt nach hinten. Warum war Lucifer hier? Und warum in der Gestalt eines Kindes? „Lucifer, das bist doch du?“, setzte er schwach hinzu.
      Lucifer grinste und zeigte zwei Reihen makelloser, weißer Zähne. Seine Augen funkelten unheilsschwanger. Er musste endgültig den Verstand verloren haben. „Wunderschön, dieser Körper, nicht wahr?“, flüsterte er und strich sich mit den Fingern über einen seiner dürren, weißen Arme. „Ich habe mich nie so lebendig und schön gefühlt. Ich dachte, perfekter könnte ich nicht mehr werden, aber ich habe mich geirrt! Sieh mich an, Alpheraz. Ich kann schön wie nie mit euch allen untergehen. Fast tut es mir Leid, denn ich hätte mich gern noch ein bisschen der Welt gezeigt mit diesem wunderschönen, reinen Körper.“
      „Gezeigt? Herumgehurt wohl eher“, meinte Ferry abwertend.
      Lucifers Lächeln war wie aufgemalt und zuckte nicht einmal. „Als ob ich eine von euch Mikroben diesen Körper jemals anfassen lassen würde“, sagte er zuckersüß. „Aber Alpheraz, sag mal, geht es dir etwa nicht gut?“, setzte er hinzu und klang gespielt mitleidig. „Erlöschst du etwa? Das darfst du nicht so schwarz sehen.“ Er lachte über sein eigenes Wortspiel. „Bald ist es sowieso zuende! Und vielleicht erspart es dir ja Schmerzen, vorher schon zu verschwinden? Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, aber ich bin neugierig.“
      „Du willst also wirklich alles zuende bringen“, sagte Ferry tonlos und beobachtete aus dem Augenwinkel, dass sich sein Handrücken ganz verfärbte. „Ich versteh das nicht. Du wirst auch dabei draufgehen.“
      „Ich weiß“, seufzte Lucifer und warf den abgerissenen Arm, den er bis eben noch in der Hand gehalten hatte, achtlos beiseite. „Aber es ist mir egal. Ich werde einen Nachfolger haben, in einer besseren Welt, eine mit weniger dummen Gesetze, an die wir gebunden sind. Oder findest du es, wie es momentan ist, etwa in Ordnung? Diese sogenannte Ordnung, die Sol erschaffen hat? Leider kann man nicht alles, was sich seitdem entwickelt hat, rückgängig machen – nicht ohne Gäas Hilfe zumindest, und ich bilde mir nicht ein, sie auf meine Seite zu bekommen. Erst recht nicht, seitdem dieses Flittchen das mit mir angestellt hat!“ Er fuhr mit seinen besudelten Fingern in sein makelloses Jungengesicht und strich über die festen, bleichen Wangen. „Sie soll genauso den Untergang miterleben wie alle anderen auch. Sie soll sehen, wie ihre Schöpfungen nacheinander am Chaos krepieren. Sie soll Sol sterben sehen. Sie soll auch nur andeutungsweise diesen Schmerz erleben, den ich habe ertragen müssen, als sie mich berührt hat!“
      Ferry zögerte. Er war Gäa nie selbst begegnet, aber er wusste, dass ihre Berührung Leben und Tod gab, wie sie es wollte. Sie war Herrscherin über alles, und Ferry wusste auch, dass es hieß, sie sei selbst stärker als Sol – und das wollte ja wohl was heißen. Er konnte sich also vorstellen, was sie mit Lucifer getan hatte.
      Seine Augen glitten zu den Siegeln, zwischen denen mittlerweile ein großes Loch klaffte, wo Lucifer ganz offenbar mehr als nur zwei oder drei Extremitäten herausgerissen hatte. Schattenschlieren kamen wie Arme heraus und krallten sich an alle greifbare Materie in der Nähe wie Tentakel.
      „Was in aller Welt hast du hier angerichtet...?“, fragte Ferry, dessen Blick wieder zu den abgekauten Knochen und Lucifers verschmierten Gesicht gewandert war.
      Lucifer winkte ab. „Dem Chaos ein wenig nachgeholfen“, sagte er. Und grinste. „Und mich nebenbei auf die einfachste Art und Weise wieder verjüngt. Ist dir klar, wie viel Energie in den hier versiegelten Körpern steckt? Die Stärksten aus allen denkbaren Universen sind hier vereinigt und Sol ist nur ein kleiner von ihnen – wenn auch derjenige, der hier der Trendsetter war. Auf einmal kamen sie von überall her und jeder wollte helfen. Sol wäre richtig gerührt gewesen. Andererseits, na wer weiß, vielleicht hat er es ja mitbekommen. Aber das ist jetzt egal. Das Siegel ist mehr als nur einmal gebrochen. Aus den paar Jahren, die es noch gedauert hätte, bis das Chaos endlich freigesetzt ist, sind ein paar Stunden geworden.“ Lucifer grinste, als er ferry entsetztes Gesicht sah. „Hast du Angst vor dem Untergang? Ich finde den Gedanken eher aufregend.“ Und er drehte sich um, richtete sich das viel zu große Gewand so gut wie möglich und rückte das Diadem zurecht und sah die Tür hinauf. „Bald ist endlich alles zuende.“

      Wird fortgesetzt...
      Næhmachinery
      Premonitions in the rising wind; tonight the stars will fall.
      The world in a cyclone, pouring out.
      No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.
    • Also wirklich. Wenn ich noch einmal höre, du hättest dich in Sachen Beschreibungen nicht verbessert, stecke ich dir persönlich ein Ding in die Nase 83

      Nein, mal im Ernst.
      Wenn ich ehrlich sein soll, gefallen mir alle Szenen mit Ferry von den Beschreibungen her mitunter am Besten. Die, in der er von Acrux verdrescht wird, gehört ganz oben mit dazu. Ich kann dir nicht genau sagen warum, aber ich finde, seine Situationen stellst du immer am Besten dar, irgendwie, weil du auch sehr auf Details eingehst *kann sich nicht ausdrücken*
      Wie auch immer.
      Ich bin nur in Sachen "gewöhnlichem" Fantasy wirklich eine Hilfe als Kritik, insofern vermag ich kaum was hilfreiches hier wiederzugeben xD; Ich mag diese Szene besonders gern. Eigentlich schon seit Vanessa ihre Kräfte wiederentdeckt hat.

      Au revoir
      Taya

      Always
      I wanne be with you
      And make believe with you

      [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/4391/robotunicornattack238ks.jpg]
      And live in
      HARMONY HARMONY
      OH LOVE



    • Wow.
      Also ich finde den neuen Teil auch wieder genial. Das ist so richtig... kA, wie soll ich sagen, man bekommt ein richtiges Zittern vor lauter Vorfreude auf den großen Showdown.

      Und noch zu Deiner Frage, Du bist NICHT schlechter geworden, im Gegenteil, wenn Du mich fragst, hast Du Dich sogar noch gesteigert, Dich selbst übertroffen!

      Also, bitte, lass uns nicht zu lange auf den nächsten Teil warten, ja, ja, ja? *lieb guck*
    • Ähm okay...Ich hab in den letzten 2 Tagen deine Geschichte bis zu diesem Abschnitt durchgelesen und ich weiß jetzt gar nicht wo ich anfangen soll xD.

      Also erst ma: Die Geschichte find ich wirklich gut(Jaa sehr aussagekräftig^^), sonst hät ich sie nicht bis zu diesem Abschnitt fertig gelesen,weil ich im I-Net eigentlich keine größeren Geschichten lese...Ich hatte nie die Nerven zu,aber anscheinend hat mich deine Geschichte gepackt*g*.

      Also Schreibfehler will ich hier mal außer Acht lassen und versuch mich noch mal an Logikfehler zu erinnern, die mir aufgefallen sind...

      Einer war ziemlich am Anfang,bei der Jonas Perkins Sache...Weiß leider nicht mehr genau wo xD
      Er meint zu Perkins er würde ihn um 10 Uhr im Cafe treffen,aber als er dann bei Frau Jakobs klingelt ist es plötzlich schon viertel vor zwölf O_o

      Apropo Perkins: Ich weiß, für die Story eigentlich nicht mehr relevant,aber wo ist der abgeblieben? xD(Oder hab ich irgendwas überlesen?) Er wird ja jetzt nicht mehr verfolgt,aber trotzdem müsste ja eigentlich bei Tuomas noch ma aufm Anrufbeantworter sprechen^^

      Und ich frage mich warum Vanessa keine Angst vor Tuomas Augen hat oder sie zumindest nicht ungewöhnlich findet ?^^

      Also von den Charas gefallen mir Tuomas(der Kaffewahn und Zigarettensucht erinnern mich stark an eine Person in meinem Umfeld xD) und Vanessa am Besten. Mit Ferry konnte ich mich zuerst nicht so anfreunden,aber mittlerweile mag ich ihn irgendwie xD.Ein toller Künstler :ugly:

      Zum Schreibstil: Einfach klasse,mag ich total...Die ganzen Details... und die Dialoge zwischen Vanessa und Tuomas gefallen mir sehr.

      Die Szene im Supermarkt zwischen Tuomas und Sirius mochte ich irgendwie besonders,konnt ich mir gut vorstellen*g*.

      Na ja das du weiterschreiben solltst versteht sich ja von selbst^^ *gespanntbin*

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carol ()

    • So, aufgrund langer Abstinenz hatte ich einiges nachzuholen, endlich mal viel zu lesen, yay! xD

      Äh ja, so im Großen und Ganzen kann ich nur noch zu dem, was bereits gesagt wurde, ergänzen (vor allem Si nimmt einem da meist schon alle Worte aus dem Mund... den Fingern, was weiß ich. oO)

      Besonders mag ich jedenfalls die Stelle, an der Ferry Lucifer wieder trifft, als fünfzehnjähriges Kind. Er/Sie/es ist wirklich sympathischer als je zuvor. xD (Ja, ich mag kranke Charas. xD) Anfangs war mir nur nicht ganz klar, woher die Verjüngung stammt, aber okay, das lag wohl an mir. oo"
      Das mit Acrux und den Erloschenen (omg, wollte fast "Herzlosen" sagen, da erkennt man mal wieder, wmit ich mein Wochenende verbracht habe. xD) war auch schön. ^^ Gäa is t3h P0wer. oOv
      Beschreibungen gefallen mir auch. ^^

      (Ich weiß, das war jetzt nur die Langversion von "Gut so, weitermachen", aber was solls... <<; )

      (PS: ich würde aber wirklich Jonas noch mal kurz erwähnen, auch wenn er nix zu tun hat, aber so wirkt es fast so, als hättest du ihn vergessen. ^^" )


      (Ja, man kann draufklicken)
    • Neuer Abschnitt, viel Spaß. Es wird langsam aber sicher wirklich eng hier. xD


      [...]
      Tuomas und Sirius sahen genau in diesem Moment an der alten Villa hinauf. Der Garten war von Unkraut überwuchert und das Haus schien baufällig. Die Fensterläden hingen schief und klapperten im Wind, das Dach war an einigen Stellen zerstört, der weiße Marmor war grau und verdreckt. Es schien wie ein Haus in einem Horrorfilm. Es fehlte nur noch das Gewitter und die Blitze am Himmel.
      Tuomas streckte mit gerümpfter Nase die Hand nach dem verrosteten Gartentor auf und schob es quietschend auf. „Sieht irgendwie nicht ganz nach Lucifers Stil aus“, sagte er.
      „Entweder hat Lucifer ein altes Gebäude genommen und einen Realitätsfilter drübergelegt, sodass es aussah wie gut erhalten, oder das hier... oder das hier ist Gäas Werk“, murmelte Sirius an seiner Seite und trat auf den nur noch zu erahnenden Kiesweg, der auf das Haupttor zuführte. Tuomas steckte sich im Gehen eine Zigarette aus einer Packung an, die er sich eben in der Stadt gekauft hatte. Sein letztes Päckchen, das er jemals zu Gesicht bekommen würde, schätze er. Er würde es würdigen. Er inhalierte tief und sah dann noch einmal an dem baufälligen Haus empor, ehe er Sirius durch den verkommenen Vorgarten folgte.
      Die Haupttür klemmte, aber Sirius beseitigte das Problem, indem er die Hand auf das morsche Holz legte und es mithilfe seiner Kraft neben sich auf einen ordentlichen Stapel Brennholz verfrachtete. Tuomas gab sich unbeeindruckt und trat an ihm vorbei in die Eingangshalle. Es war dunkel und staubig und der Boden knarrzte und ächzte unter ihrem Gewicht.
      „Eigenartig“, sagte Sirius und öffnete ein paar von der Eingangshalle ausgehende Türen. „Er hätte uns schon lange bemerken müssen.“
      „Gäa... Quatsch, Vanessa hat gesagt, sie hätte ihn umgebracht, also denke ich nicht, dass er noch viel bemerken kann“, sagte Tuomas und wandte schnell den Blick ab, als er merkte, dass Sirius ihn anstarrte. Er schob die Hände in die Hosentaschen und schritt die ersten paar Stufen der Treppe in der Mitte des Raumes hinauf, blieb aber schon nach der fünften stehen. „Sirius“, sagte er leise.
      „Hmm?“
      „Wir haben Gesellschaft.“
      Sirius beeilte sich, zu Tuomas aufzuschließen – und blieb dann wie angewurzelt stehen. „Acrux?!“
      Auf der Treppe stand Acrux und starrte sie beide ungläubig und mindestens so erschrocken an, wie sie selbst auch zurückstarrten. Er trug noch immer seinen zerschlissenen und irgendwie schief sitzenden Anzug und auf den Armen ein langes, in ein weißes Tuch gehülltes Bündel. „Sirius?“
      „Genau der.“ Sirius blieb vorsichtig stehen, wo er war.
      „Und das ist...?“
      „Sol.“
      „Ja, das dachte ich mir. Was macht ihr hier?“
      „Wir suchen nach Lucifer.“
      „Ihr werdet ihn nicht finden.“
      „Warum nicht?“
      „Er ist verschwunden. Ich weiß nicht, was passiert ist.“
      „Gäa hat ihm fast all seine Energie entzogen.“ Die leise Stimme, die aus dem weißen Laken kam, war dünn und glockenklar wie die einer Elfe und brachte Sirius’ und Acrux’ angeregte Unterhaltung sofort zum Stillstand. „Er hat sich wahrscheinlich versteckt.“
      „Die... Stimme kenn ich doch“, murmelte Sirius nach einer kurzen Pause. Unter dem Laken bewegte sich etwas, und dann strich eine fast weiße Hand den Stoff beiseite. Suhail Hadar lugte zu ihm hervor wie jemand, der erwachsen geboren worden war. Sie blickte unsicher, als sie zuerst Sirius, dann Sol musterte. Acrux hatte sie fast komplett in einen Laken eingehüllt und trug sie sicher auf beiden Armen. Wahrscheinlich konnte sie noch nicht von alleine gehen.
      „Suhail Hadar...“ Sirius’ farblose Augen wurden ganz groß. „Aber du warst... du warst doch...“
      Acrux lächelte. „Gäa war das“, sagte er. „Gäa hat sie... und mich...“ Er brach ab, weil ihm die Freude die Sprache nahm.
      „Gäa hat dich von den Schatten zurückgeholt?“, flüsterte Sirius ungläubig. Suhail Hadar nickte und ein kleines Lächeln lag auf ihren roten Lippen.
      Oookay, Timeout!“
      Tuomas’ Stimme riss sie alle aus ihrem Bann, als er mit beiden Händen das obligatorische T formte, die Zigarette in den anderen Mundwinkel schob und sich dann auf die Treppe zwischen Sirius und Acrux stellte. „Sieht ja nach einem entzückenden Wiedersehen aus, hier“, stallte er fest, „aber wie so oft habe ich keine Ahnung, was hier vor sich geht, also könnte mich mal jemand aufklären?! Ich hatte mir eingebildet, ich wäre einigermaßen wichtig für den Ausgang dieser Geschichte, also würde es euch was ausmachen, mir mal zu erklären, was hier gerade eigentlich passiert?“
      „Äh, ja, also... Acrux, Suhail Hadar, das ist Sol, wie ihr... unschwer erkennen könnt.“ Sirius räusperte sich. „Sol, das sind Acrux und Suhail Hadar... Acrux war von klein auf Lucifer unterstellt, und Suhail Hadar ist seine Geliebte. Sie... gehören beide zu den Erlöschenden...“
      „Nicht mehr“, sagte Acrux. „Suhail Hadar war schon von uns gegangen und ich war auf dem besten Wege, ihr zu folgen, aber Gäa hat uns beide gerettet und uns das Leben wiedergegeben.“ Er strahlte wie ein kleiner Junge. Es war ewig her, dass er sich so erleichtert gefühlt hatte. Suhail Hadar in seinen Armen zog das Laken etwas enger um sich und nickte leicht.
      Tuomas merkte, dass ihm der Mund offen stand und klappte ihn wieder zu, ehe ihm noch seine Kippe aus den Lippen rutschte. „Das... das kann sie?“
      „Gäa kann, um es salopp auszudrücken, verdammt viel, ja“, sagte Sirius und nickte nachdenklich. „Es wundert mich aber, dass sie schon... über so viel ihrer Kraft verfügt. Ich glaube, wir haben ein Ass im Ärmel.“ Er grinste.
      „Oooh nein, nein, nein, Sirius“, sagte Tuomas und schüttelte energisch den Kopf, wonach er sich erst wieder die langen Haare ordnen musste, die ihm ins Gesicht geflogen waren. „Sie wird nicht kämpfen. Das werde ich nicht zulassen. Die Gewalt wirst du schön mir überlassen. Wenn mir jemand helfen wird, dann bist du das, aber sicherlich nicht Vanessa!“
      „Irgendwie kommt mir das bekannt vor“, sagte Sirius grinsend und rieb sich das Kinn. „Du hast dich nicht verändert.“ Er stockte und wurde dann langsam bleich. „Moment. Sagtest du, ich soll dir helfen?“
      „Wer denn sonst? Mane? Soweit ich das verstanden habe, kann er noch weniger als du. Außerdem soll er auf Vanessa aufpassen. Er kommt besser mit ihr klar als mit mir, und irgendjemand muss auf sie aufpassen. Wer weiß, was sie sonst anrichtet.“ Tuomas zuckte die Schultern. „Außerdem bist du der einzige, der den Durchblick hat. Insofern wirst du schön mitkommen. Oder hast du gedacht, ich laufe allein in die Höhle des Löwen?“
      „Ja... aber...“ Sirius war auf einmal sehr kleinlaut und sah hilfesuchend zu Acrux, der aber nur die Schultern zuckte.
      „Ich werde euch alle Daumen drücken“, sagte er. „Aber ausrichten kann ich nichts. Sol hat schon recht, wenn er sagt, dass du der einzige bist, der ihm helfen kann.“
      „Ich kann doch nichts!“, sagte Sirius verzweifelt. „Zumindest verglichen mit Sol!“
      „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“, sagte Tuomas und schob Sirius dann die Treppe herunter. „Und jetzt raus hier. Wenn Lucifer nicht hier ist, haben wir hier nichts zu suchen. Ihr zwei solltet auch raus hier. Ich werde mich um das Gebäude kümmern.“
      Er scheuchte Sirius und Acrux aus dem Haus und dem Grundstück, sagte Sirius, er solle nicht einmal daran denken, sich jetzt zu verpissen, und schlenderte dann langsam zum Grundstück zurück. Er blieb vor der Treppe stehen, rauchte seine Zigarette in Ruhe zu Ende, schmiss sie auf den Boden und trat sie aus, was er selbst für ziemlich ironisch hielt.
      Dann setzte er alles in Flammen. Das Feuer wurde mit unglaublichem Druck durch alle Flure gejagt, in jedes Zimmer und jede Ritze, riss die losen Fenster und Türen mit sich und leckte gierig und hungrig über das alte Holz, fraß es und vermehrte sich rasend. Es waren nur Sekunden, bis das ganze Gebäude lichterloh brannte.
      Tuomas stand inmitten des Feuers und klopfte eine Flammenzunge an seinem Ärmel aus. Wenn Lucifer doch noch hier irgendwo gewesen sein sollte – jetzt war er es nicht mehr.
      Er verließ das Haus, das langsam hinter ihm zusammen brach, und kehrte zu Sirius und Acrux zurück, die vor dem Gartentor standen und stumm in die Flammen blickten.
      „Das wäre auch erledigt“, sagte Tuomas. „Lasst uns gehen, ehe irgendwer auf die Idee kommt, her zu kommen.“
      „Ich komme nicht mit euch“, sagte Acrux, der noch immer Suhail Hadar auf den Armen trug. Entweder war sie sehr leicht, oder er sehr stark, denn ihr Gewicht schien ihn nicht im geringsten zu stören. „Aber ich wünsche euch viel Glück.“
      „Du warst doch auf Lucifers Seite, oder etwa nicht?“, fragte Tuomas ruhig. Er drehte eine Zigarette zwischen den Fingern, ohne sie anzustecken. Er wusste nicht, ob er sie sich noch etwas aufsparen sollte.
      Acrux nickte leicht. „Ja“, gab er zu. „Ja. Bis wir Gäa begegnet sind. Ich hatte alle Hoffnung verloren und mir war egal, was Lucifer tun würde, weil es für mich eh zu spät war und mich nichts am Leben gehalten hat. Aber jetzt...“ Er sah zärtlich zu Suhail Hadar hinab, die mit halb geschlossenen Augen vor sich hinstarrte. Wahrscheinlich war sie eingeschlafen, trotz des Lärms. Sie musste ihre Kräfte sammeln. „Bitte gewinnt. Lucifer war wahnsinnig, das wissen wir alle.“ Er sah Tuomas ernst an. „Du erinnerst dich vielleicht an nichts, Sol. Aber du hast das Chaos schon einmal versiegelt. Du kannst es noch einmal tun. Du musst nur an dich glauben.“
      Tuomas winkte ab. „Wird schon, irgendwie“, sagte er, auch wenn er sich da nicht so sicher war. „Also dann... Genieß das Leben, schätze ich. Wer weiß, wie lange du davon noch hast. Sirius, wir gehen.“ Er drehte sich um, steckte sich die Zigarette dann endlich in den Mund und entzündete sie. Sirius verabschiedete sich hastig von Acrux und schloss dann zu Tuomas auf.
      Als die Feuerwehr und die Polizei an Lucifers Villa eintrafen, waren die Sterne schon lange verschwunden. Man konnte sich den Brand nicht erklären, aber es kümmerte auch niemanden besonders – das Haus hatte immerhin schon lange leer gestanden...
      „Du brauchst eine Waffe“, sagte Sirius irgendwann, als sie in der Straßenbahn saßen und auf dem Weg zurück zur Stadtmitte waren, wo Mane und Vanessa auf sie warteten.
      „Waffe?“, wiederholte Tuomas. „Hm. Na ja, es wäre nicht das erste mal, eine 9mm hab ich schon mal in den Händen gehabt, ich könnte auch dran kommen, wenn ich es drauf anlege, aber ein wirklich guter Schütze bin ich nicht. Warum lachst du?“
      „Du glaubst ernsthaft, dass eine normale Waffe etwas gegen das Urchaos anrichten kann? Eine Knarre? Die gerade mal Schallgeschwindigkeit schafft? Mach dich nicht lächerlich.“
      Tuomas schnaubte leise. „Was weiß ich denn! Ich weiß ja nicht mal, gegen was genau ich da kämpfen soll. Geschweige denn, wie überhaupt.“
      „Das weiß niemand so genau, das ist das Problem“, sagte Sirius langsam. „Außer dir, Lucifer und einer Handvoll anderen war niemand dabei, als du versiegelt wurdest.“
      „Also, Lucifer ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tot oder abgehauen... und wo ist diese Handvoll anderer?“ Tuomas rieb sich das Nasenbein und wusste, was Sirius sagen würde.
      „Zu feige, um sich einzumischen? Ich weiß es nicht. Vielleicht nicht einmal auf der Erde. Ich weiß es nicht. Es gibt auf der Erde einige kleinere Sterne, so in der Kategorie von Mane, Acrux und mir, aber die Großen...“ Er brach ab und starrte aus dem Fenster. „Nein, da müssen wir wohl allein durch. Und du brauchst eine Waffe.“
      „Wie wär’s mit meinem Feuer? Es ist das Stärkste, was ich habe.“ Tuomas betrachtete seine Finger. Ob er damit die anstehende Vernichtung verhindern konnte, wusste er nicht. Generell hatte er keine Ahnung, was er wie tun sollte. Aber zur Abwechslung schien auch Sirius ziemlich unsicher.
      „Wir werden jetzt erst mal Gäa und Mane suchen“, sagte Sirius seufzend. „Und dann sehen wir weiter.“
      „Hör auf, sie Gäa zu nennen“, brummte Tuomas. „Ich werde sie da nicht hinein ziehen. Sie hat das nicht verdient.“
      „Sol, ernsthaft, hör mal... Gäa ist stärker als du, sie kann...“
      Sei still. Ich will ihren Namen im Zusammenhang mit dieser Sache nicht ein einziges Mal hören, oder du bist zeit deines Lebens so hübsch gewesen!“, knurrte Tuomas und starrte dann mit gerunzelter Stirn aus dem Fenster. Sirius schluckte leise und sah zu Boden. Sie redeten nicht mehr miteinander, bis sie Mane und Vanessa fanden.

      Wird fortgesetzt.
      Næhmachinery
      Premonitions in the rising wind; tonight the stars will fall.
      The world in a cyclone, pouring out.
      No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.
    • Welche Fragen denn? xD
      Dann kann ich dir sagen, ob sie beantwortet werden. :3
      (Außerdem interessiert es mich persönlich... xD)
      Næhmachinery
      Premonitions in the rising wind; tonight the stars will fall.
      The world in a cyclone, pouring out.
      No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.
    • Entweder schreibe ich zu schnell, oder ihr antwortet zu langsam.
      Ein paar mehr Kommentare täten meiner Seele übrigens gut! xD;

      [...]

      Ferry hielt einen recht großen Sicherheitsabstand zu dem Kind, das Lucifer war und betrachtete sowohl den eigenen, als auch Lucifers Körper mit einer Art neugierigem Entsetzen, das kalt im Magen lag wie ein Eisklumpen und seine Brust verschnürte wie Rauch.
      Lucifer hatte sich einfach auf den Boden gesetzt und die Arme verschränkt. Er wirkte wie ein kleiner Junge, der Anfang Dezember beschloss, die Zeit bis Weihnachten mit einem Sitzstreik zu überbrücken.
      Und er wurde immer jünger.
      Anfangs hatte Ferry es kaum gemerkt, aber irgendwann war Lucifers Diadem auf den Hals gerutscht und der Stoff endgültig von seinen Schultern. Sein Gesicht wurde immer kindlicher, sein Körper immer schmäler und gebrechlicher. Nichts, aber auch gar nichts war von dem einst so stattlichen, stolzen Männerkörper übrig geblieben – obgleich Lucifer nach wie vor ein schwaches Licht ausstrahlte und noch immer unnormal hübsch war. Ferry hätte ihn ganz einfach an den Füßen packen und gegen die Tür schlagen können, bis ihm der Schädel platzte.
      Aber er wusste, dass der Schein trog – oder glaubte es zu wissen.
      Was ihn selbst, Ferry, betraf, so wurde er immer weiter von den Schatten gefressen. Seine Arme waren mittlerweile bis zu den Ellen schwarz verfärbt, ebenso wie seine Unterschenkel. Sein Gesicht sah am furchtbarsten aus, schwarze Streifen zogen sich vom Mund aus über die Haut, als hätte man ihn mit dünner Wasserfarbe angemalt. Wenn die Schatten auf seinem Körper wenigstens endgültig schwarz sein würden – aber das waren sie nicht, sie waren grau und verdickten sich erst langsam weiter. Ferry würde langsam verlöschen.
      Ferry war auf dem linken Auge blind, nachdem die Schatten es erreicht hatten. Er spürte seine Zunge nicht mehr und hatte jegliche Versuche, zu sprechen, vollkommen eingestellt. Er stand da, ein wenig von Lucifer und der Tür entfernt, und war nichts weiter als ein Schatten seiner selbst. Der bemalte Ärmel seiner Zwangsjacke, die er nicht ausgezogen hatte, seit er der Anstalt entkommen war, hing leblos neben ihm. Irgendwo tat es Ferry Leid, sich nicht von Herrn Schlange verabschiedet zu haben, aber dachte, dass sein Freund dafür Verständnis haben würde.
      Seine Selbstironie überraschte ihn und tat ihm gleichermaßen weh.
      Ferry stand da und verlosch, und am schlimmsten war, dass er noch bei vollem Bewusstsein war. Sein Körper war nun nichts mehr als eine beschränkte Hülle für seinen Geist, der auf den Körper hinabstarrte und genau wusste, wenn er nichts unternahm, war es das Ende – und genauso wusste, dass er nichts unternehmen konnte.
      Das ist das Ende, dachte Ferry, als ihm das Augenlicht komplett schwand und er spürte, wie seine Knie zu zittern und zu zucken begannen, als sich die Schatten über seine Knie hinweg zur Körpermitte zogen und sein Gewicht nicht mehr lange halten würden.
      Er war selbst überrascht, wie einfach es jetzt war, endgültig zu resignieren. Aber nun, wo sein Körper keine Gefühle mehr wahrnahm und alles nur noch ein Brei... was blieb ihm denn noch? Und er hatte so lange versucht, diesem Augenblick zu entfliehen. Er hatte betrogen und gemordet und war wie mit Scheuklappen vor seinem Schicksal davongelaufen, aber vor den Schatten gab es letztlich doch kein Entkommen. Rings um ihn waren seine Freunde und Bekannten erloschen, darunter auch Suhail Hadar und Acrux – und nachdem Suhail Hadar, die um einiges jünger gewesen war als er, so fürchterlich von Acrux hatte gehen müssen, der sie bis zum letzten in den Armen gehalten hatte, bis ihm nichts weiter als schwarze Schatten geblieben waren, war Ferry, war Alpheraz, erst richtig blind vor Angst geworden.
      Bis zum letzten hatte er ausgehalten.
      Jetzt gab er diesen sinnlosen Kampf auf.
      Lucifer öffnete ein Auge, als Ferrys Körper ein paar Schritt weiter zusammenklappte. Acrux hatte behauptet, Alpheraz hätte ihm gefährlich werden können, aber nachdem Lucifer seine Jugend und Zuversicht wiedergewonnen und gesehen hatte, dass Ferry fast ganz verloschen war, hatte er jegliche irrationale Angst beiseite geschoben. Dieses Flämmchen in der Dunkelheit konnte gegen sein eigenes, loderndes Feuer nichts ausrichten.
      Und jetzt war es also vorbei.
      Lucifer erhob sich und schwankte. Seine Beine waren dürr und seine Gewänder waren schwer, was ihm das erste Mal auffiel. Nichts saß mehr an seinem Platz, Lucifer hätte sich ebenso gut in drei Bettlaken einwickeln können, er sähe kaum würdevoller aus. Sein Diadem trug er mittlerweile eher als Halskette und er musste den Stoff mit beiden Händen raffen und Teil hinter sich herschleifen, als er zu Ferry hinüberwankte.
      Er streckte einen bleichen Kinderfuß unter den Gewändern hervor und trat Ferry in die Seite, was ihn fast zu Fall brachte. Ferrys Arm zuckte, dann blieb wieder alles still.
      „So ist es also, wenn man verlischt“, murmelte Lucifer und ließ sich ungalant neben Ferry auf den Boden fallen und wuchtete Ferrys fast zwei Meter großen Körper auf den Rücken und erschrak, als er das Gesicht sah: Die Haut war schwarz verfärbt, als hätte Ferry Farbe in den Adern gehabt, kein Blut. Sein Mund, ein schwarzes, klaffendes Loch, war einen Spaltbreit geöffnet, als hätte Ferry noch etwas sagen wollen, ehe die Muskeln erkaltet waren.
      Nur die Augäpfel waren weiß geblieben, und in ihnen starrten schwarze Augen in das Nirwana, zu dem Lucifer alles verdammen – oder erlösen – wollte.
      Lucifer schluckte leicht und ein harter, kalter Schauder ließ seinen schmächtigen Körper erzittern. Er war alt, sehr alt, aber er hatte niemals gesehen, wie ein Stern verlosch.
      Zwar hatte er schon immer Acrux um sich gehabt und auch seine drei treuen Begleiter, aber Acrux war doch trotz allem noch im Anfangsstadium gewesen und so unangenehm Lucifer die Erloschenen auch immer gewesen waren – er hatte nie gesehen, wie sie gegangen waren.
      Auf einmal überkamen Lucifer Zweifel. Schwarze Angst umfasste ihn, als tauche er in Eiswasser ein und würde von seinen Gewändern, golden und strahlend, in den Abgrund gezogen.
      Er fühlte sich hilflos und einsam, und seine Glieder bebten vor Angst und innerer Kälte. Heiße, panische Tränen rannen über seine bleichen Wangen, tropften zu Boden und er krallte seine dünnen Finger in die Handballen.
      Er war ein Kind, das Angst vor der Dunkelheit hatte und das mitten in der Nacht allein in seinem Zimmer aus einem Albtraum erwachte und nun die Monster in seinem Zimmer sah.
      Und als ihm das klar wurde, stieß er Ferrys Körper mit einem Aufschrei von sich und kam auf die Beine, aber eher er davonlaufen oder aus dieser Ebene der Welten verschwinden konnte, packten ihn schwarze Fangarme aus Schatten und verschlangen ihn und Ferrys leblosen Körper.
      Dann war alles still.
      Und dann, unter einem lauten Aufstöhnen, brach jedes Siegel ab, das die Tür zusammengehalten hatte. Knochen barsten, Fleisch riss auseinander und schwarze Schatten brachen hinter der Tür hervor und verschlangen alles. Die Tür brach auseinander, zerrissene Siegel und Feldbrocken schlugen zu Boden, alles erbebte.
      Als sich die schwarzen Schatten etwas gelichtet hatten, stand inmitten der Trümmer eine Gestalt.
      AH, sagte sie. WIR SIND.

      ~
      Ende des achten Kapitels.
      Fortsetzung folgt...
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    • Ferrys Tod ist genial. ^^b Auch die Dialoge mit Tuomas und Sirius find ich mal wieder ziemlich gut (auch wenn der Satz "Du musst nur an dich glauben" von Acrux mir etwas zu sehr klischeehaft anmutet und in mir ständig das Bild eines Pokémon-Trainers hervorruft. :ugly: )
      Lucifers letzte Momente gefallen mir auch, die Szene ist originell und nicht die übliche Nain-ich-bin-unbesiegbar-Sterbeszene des klassischen Schurken. *lol* Gut so, Daumen hoch. ^^


      Es heißt btw. "Felsbrocken" und nicht "Feldbrocken", nur so nebenbei. xD

      Ansonsten nix zu meckern, weiter so. ^^ *Chaos sehen will*


      (Ja, man kann draufklicken)
    • Soweit habe ich dir über ICQ ja alles gesagt. Nur irgendwie ist für mich die Szene, in der die Siegel abbrechen viel zu kurz. Irgendwie so "Hier bricht was ab, da reißt was auseinander und schwupps, steht da jemand". Ausführlicher geschrieben würde mir das besser gefallen, aber ansonsten hast du dich, wie gesagt, sehr verbessert (und ich finde immer noch, dass die Szenen mit Ferry mitunter die besten Beschreibungen haben)
      Auch das Lucifers arrogante Art verschwindet, gefällt mir. Da freut man sich richtig xD;

      Ich erwarte das Finale x3~

      Au revoir
      Taya

      Always
      I wanne be with you
      And make believe with you

      [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/4391/robotunicornattack238ks.jpg]
      And live in
      HARMONY HARMONY
      OH LOVE



      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Marin- ()

    • ah, wunderbar spannend^^

      ich finde den kompletten abschnitt toll, vor allem die beschreibung wie ferry erlischt. allerdings...kommt es mir jetzt ein wenig unlogisch vor. als acrux und lucifer (damals war es glaub ich zuerst die weibliche seite, lucretia, richtig?) sich das erste mal in der geschichte trafen hieß es doch dass ferry noch etwa ein paar millionen jahre zu leben hätte (oder so ähnlich) und das chaos in vielleicht 5 jahren ausbrechen würde. anfangs fand ich das sehr glaubwürdig dargestellt, schließlich ist die lebensdauer von sternen sehr lang...aber gegen ende hast du ein paar gänge hochgeschaltet und das ganze ein wenig verkürzt, hab ich den eindruck^^


      mir gefällt auch die personifiziereung (lol...aber wie soll ich es anders beschreiben? xD) des chaos und da kommt mir eine andere frage: ist die erde auch so eine person?^^


      nun, ich hoffe ich habe deiner seele was gutes getan und du kannst dein tempo gerne einhalten, dann krieg ich auch keine entzugserscheinungen
      [Blockierte Grafik: http://img829.imageshack.us/img829/698/mgscomic14.jpg]
      ...in that case, can we just skip the talking and fight already? - NO!
    • Original von Rayne
      als acrux und lucifer (damals war es glaub ich zuerst die weibliche seite, lucretia, richtig?) sich das erste mal in der geschichte trafen hieß es doch dass ferry noch etwa ein paar millionen jahre zu leben hätte (oder so ähnlich) und das chaos in vielleicht 5 jahren ausbrechen würde.

      Jaah.. das mit Ferry muss ich überarbeiten, stimmt schon. ^^" Es sind einige Dinge drin, die sich im verlauf der Story geändert haben, das ist normal.
      Aber: Was die fünf Jahre bis zum Ausbruch des Chaos angeht, das habe ich erwähnt: Lucifer hat in einem der vorangehenden Abschnitte das Siegel weiter beschädigt und daruch den Ausbruch bis auf "einige Stunden" vorgezogen.

      ist die erde auch so eine person?^^

      *lol* Ehm. Ja. Aber gut, das siehst du dann... xD;
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    • Achtung, Riesenladung! oO;; Ich wusste gar nicht, dass ich vergessen hatte, den ersten Absatz vom neunten kapitel zu posten. Hups! xD
      BTW: "Das Chaos" hat genau exakt auf den Punkt hundert Seiten, als ich dies poste. :3 *cola und kekse verteil* x3

      Kapitel 9:
      Gäa


      Tuomas hasste sich selbst abgrundtief, als er mit zwei Fingern in die Zigarettenschachtel in seiner Hosentasche glitt und nur noch eine einzige Kippe ertastete. Er zog sie mit verzogenem, Gesicht hervor, drehte sie langsam zwischen den Fingern und sinnierte ein bisschen. „Scheiß drauf“, sagte er dann, schob sich die Zigarette zwischen die Lippen und hob den rechten Finger an die Spitze, entzündete eine kleine Flamme im Sicht- und Windschutz der anderen Hand und inhalierte tief.
      Vanessa hatte ihn beobachtet. Dann sah sie wieder auf ihre Füße hinab. „Wohin genau gehen wir eigentlich?“, fragte sie.
      „Ich weiß es selbst nicht so genau“, sagte Tuomas und sah zu Mane und Sirius, die ein paar Schritte vor ihnen gingen und sich vehement anschwiegen, als ob sie jedem beweisen wollten, dass sie nichts miteinander zu tun hatten. Fakt war, dass beide sich darin einig waren, dass Gäa und Sol sich wohl voneinander verabschieden sollten, aber da kannten sie Tuomas schlecht.
      Er seufzte, inhalierte und blies den Rauch durch die Nase. Vanessa ging schweigend neben ihm. Sie hatten die City vor einer Weile hinter sich gelassen und schlenderten jetzt die weniger belebten Straßen entlang. Erst, als sie an einem kleinen Café vorbeikamen, veränderte sich Tuomas’ Gesichtsausdruck von lethargisch und distanziert zu nahezu sehnsüchtig und verzweifelt. Vanessa bemerkte das, trabte vor zu Sirius und Mane, hakte sich in der Mitte von ihnen ein und redete kurz mit ihnen. Ehe Tuomas auch nur andeutungsweise eifersüchtig werden konnte, war sie schon wieder bei ihm und schmuste sich an seinen Arm.
      „Lass uns einen Kaffee trinken gehen, Tuomas“, schnurrte sie. Tuomas ließ sich zu einem kurzen, dankbaren Lächeln hinreißen, ehe er wieder eine mürrische Miene zog.
      „Wenn du meinen Arm dann loslässt und aufhörst, mir das Blut abzudrücken...“
      „Kein Problem. Aber zu bezahlst, ich hab nix Bares bei mir.“ Ehe Tuomas noch etwas erwidern konnte, zog Vanessa ihn am Arm mit sich und Tuomas konnte sich nur, als er ihr hinterherstolperte, nach Sirius und Mane umdrehen, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen und ihm ohne größere Gefühlsregung nachsahen. Sirius hatte seine schmale, stilvolle Sonnenbrille wieder aufgesetzt und die Hände in den Hosentaschen seiner Anzughose vergraben. Er sah gut und sportlich wie immer aus, und Mane neben ihm wirkte unglaublich deplaziert mit seinem ausgewaschenem Anzug, der Kragenklammer und, wie immer, dem Geigenkasten in der Hand.
      Dann fiel die Tür des Cafés hinter ihm zu und Vanessa schob und zerrte ihn zu einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen, drückte ihn auf einen davon und setzte sich ihm gegenüber. Sie lächelte ihn an, und Tuomas klopfte etwas planlos seine Asche in den kleinen, schwarzen Aschenbecher vor ihm.
      „Bonjour, Madame et Monsieur“, sagte eine junge Kellnerin, die ihnen die Karten hinhielt.
      „Einen doppelten Espresso“, murmelte Tuomas, ohne sie auch nur anzusehen.
      Die Kellnerin sah etwas verwirrt aus, dann nickte sie. „Und die Dame?“
      „Einen Milchkaffee mit viel Schaum“, sagte Vanessa mit einem Lächeln, als wollte sie selbst die Kellnerin verführen. Mit etwas eigenartigem Blick entfernte sich die junge Frau wieder und ließ Tuomas und Vanessa allein.
      Tuomas rauchte still und sah an Vanessa vorbei, bis sie schließlich die Initiative ergriff und nach seiner Hand griff. Ihre Haut war warm und weich und angenehm, doch er sah sie nur kurz an, blickte dann wieder weg, aber er ließ ihre Hand, wo sie war.
      Sie sprachen nicht, bis ihre Kaffees kamen und Tuomas mit einer Hand die Zigarette ausdrückte und denn mit der anderen, eine oft ausgeführte und einstudierte Bewegung, Zucker in seine Tasse schüttete. Vanessa löffelte eifrig den Schaum von ihrem Kaffee. Ein Blick durch die verdunkelte Türe des Cafés sagte Tuomas, dass Mane und Sirius noch immer auf der anderen Straßenseite warteten.
      „Nun“, sagte Tuomas nach einer Weile. „Was hat Mane dir so gesagt?“
      Vanessa zuckte die Schultern. „So ziemlich... alles“, sagte sie und leckte sich mit der Zungenspitze einen weißen Schaumbart von der Oberlippe. Tuomas schlug den Blick nieder auf seine Tasse, in dem er den Zucker verrührte.
      „Und... was denkst du so?“, meinte er nach einer Weile. Er war sich nicht sicher, aber Vanessas Ruhe war ihm gespenstig.
      Vanessa zuckte leicht mit den Schultern. „Er hat mir... dieses Lied wieder vorgespielt. Ich weiß nicht, aber irgendetwas ist daran eigenartig. Ich kenne es, und könnte mir nicht erklären, woher. Daher glaube ich ihm.“ Ihr Blick wanderte zu Tuomas’ Augen. „Es sind zu viele komische Dinge in letzter Zeit passiert, als dass ich eine andere Erklärung dafür finden könnte. Deine Augen, Sirius’ Augen, Lucifers Auftauchen, das Lied, diese... Dinge, die ich auslöse.“
      „Du bist sehr ruhig“, stellte Tuomas leise fest.
      „Was soll ich tun? Hysterisch herumrennen und Dinge in die Luft jagen, bis man mich wegsperrt?“ Vanessa grinste. Tuomas überlegte und kam zu dem Ergebnis, dass wahrscheinlich nichts besser zu Vanessa passte als diese seltsame, ausgeglichene Ruhe.
      „Mane sagte auch, dass wir mal ein Paar waren, du und ich.“ Vanessa beugte sich ein wenig über den Tisch.
      Tuomas nickte langsam und trank einen Schluck. „Ja, so ist das wohl gewesen.“
      „Und er hat gesagt, du hättest nicht gewollt, dass ich mich in all diese Angelegenheiten einmische.“
      Tuomas nickte nur stumm.
      Und er hat gesagt, dass du ihm befohlen hättest, immer auf mich aufzupassen.“
      Wieder konnte Tuomas nur nicken und trank einen Schluck.
      „Mit anderen Worten: Du hast dich verpisst, den Ruhm eingesackt und mich sitzen gelassen.“
      Tuomas wollte gerade nicken, da traf ihn Vanessas Hand schmerzhaft auf der linken Wange, sodass ihm der Kopf zur rechten Seite flog und er beinahe seinen Kaffee wieder ausgespuckt hätte.
      „Wichser. Mach das nie wieder, verstanden?!“ Vanessa knurrte und setzte sich wieder ordentlich hin, trank einen Schluck. Tuomas sah sie verwirrt an und rieb sich seine pochende Wange. Hinter der Theke tuschelten zwei Kellnerinnen miteinander. Tuomas ignorierte sie, aber seine Wange tat wirklich weh. Kaum zu glauben, wie viel Kraft dieses kleine Ding da vor ihm hatte. Andererseits, dachte er, hatte sie wahrscheinlich schon einige Männer geohrfeigt.
      „Eigentlich“, sagte er ein bisschen beleidigt, wie er feststellte, „hatte ich nicht vor, dich in die ganze Angeleg-...“
      „Fick dich, Tuomas! Vergiss es! Schmink’s dir ab! No way!“ Vanessa sah richtig empört aus und er erinnerte sie leise daran, dass sie in einem öffentlichen Café saßen. Sie atmete einmal tief durch. „Keine Chance, Schatz, das ziehen wir jetzt zusammen durch“, sagte sie dann und war von einem Augenblick wieder die verschmuste, zärtliche und liebende Vanessa, an die er sich so mehr oder weniger gewöhnt hatte.
      „Schatz...?“ Tuomas war überfordert, deswegen trank er schnell seinen Kaffee aus, tastete seine Taschen ab und fand noch ein paar Geldscheine, die er auf seinen Unterteller legte und Vanessa dann anwies, ihm zu folgen. „Da werden wir noch mal drüber reden, denke ich“, sagte er. „Und die Zeit zum Schwatzen bleibt echt nicht. Komm schon.“
      Kaum, dass sie wieder draußen und zu Mane und Sirius getreten waren, fuhr Tuomas’ Hand wieder in seine Tasche, aber da war wirklich keine Zigarette mehr. Resignierend ließ er die Hand sinken und meinte dann: „Also, wie sehen die direkten Pläne zur Weltrettung aus?“
      Mane und Sirius wechselten einen Blick, der stark nach „Ich hab keinen Plan, du?“ – „Nein, auch nicht“ aussah. Dann zog Sirius langsam die Schultern nach oben.
      „Ich denke“, sagte er, „wir beide machen uns auf den Weg zum Siegel.“
      Kurze Pause. Dann meine Tuomas: „Das war’s?“
      „So ziemlich.“ Sirius nickte und rieb nervös die Handflächen aneinander. Besonders motiviert sah er nicht aus.
      „Ich komme mit!“, sagte Vanessa.
      „Nein“, sagte Tuomas, ohne sie anzublicken.
      „Sehr wohl!“
      „Wirst du nicht!“
      „Du hast mir gar nichts zu sagen!“
      „Solange du dich meine Freundin nennst, habe ich das sehr wohl!“ Tuomas knurrte und fuhr sich durch die Haare. „Also, Siegel. Sirius, nur... keine Ahnung, nimmst mich mit oder so? Ich bin zwar schon dort gewesen, aber ich weiß nicht, ob ich das noch mal schaffe...“
      Sirius lachte humorlos. „Ich werde es versuchen, ja. Haha. So ein Spaß. Oh Gott, ich will nicht sterben!“
      Mane und Tuomas sahen ihn beide äußerst entfremdet und entgeistert an, dann schüttelte Tuomas den Kopf. „Deswegen kommst du brav mit – Angriff ist die beste Verteidigung. Und wer weiß, vielleicht kannst du ja doch mal was sinnvolles anrichten. Und dann liegen dir alle Frauen zu Füßen. Na, hört sich das gut an?“ Er erwartete keine Antwort. Vanessa an seiner Seite schmollte, aber Mane sah sie zärtlich – Tuomas wäre ihm am liebsten an die Gurgel gegangen! – an und meinte:
      „Keine Sorge, Vanessa. Sol macht das schließlich nicht zum ersten Mal. Er wird das schon schaff-...“
      „Es geht nicht ums Schaffen oder Scheitern!“, sagte Vanessa verzweifelt und griff nach Tuomas’ Hand. „Es geht darum, ob ich an seiner Seite bin oder nicht! Wenn wir ein Paar sind, dann... machen wir doch alles zusammen, oder nicht?!“
      „Ich will nicht, dass du dich in Gefahr begibst“, murmelte Tuomas hilflos. „Wenn dir etwas passieren würde...“ Er vollendete seinen Satz nicht.
      „Ja! Genau das! Genau so fühle ich auch! Was, wenn dir etwas passiert? Du kannst mich doch nicht hier allein lassen!“ Vanessa klang immer verzweifelter. „Haben sie nicht alle gesagt, ich sei...!“
      „Shh“, machte Tuomas und beugte sich für einen kurzen Moment zu ihr herunter und hauchte ihr einen vorsichtigen Kuss auf die Lippen. „Du bleibst bei Mane. Es ist sicherer so.“ Und dann kippte seine Welt, auch wenn er nicht wusste, wie er es geschafft hatte, und alles wurde dunkel.
      „Aber Tuomas, i-...“ Vanessa brach mittendrin ab. Ihre Hand fasste in die Leere. Tuomas war fort. „Was zum!“
      „Was zum“, murmelte auch Sirius und sah sich um. „Hat er es von alleine geschafft?“
      Was geschafft?!“ Vanessas Stimme war schrill.
      „Den Weg zum Siegel.“
      „Was? Ich will auch hin!“
      „Du bleibst brav hier.“ Sirius sah nervös aus. „Du bleibst schön brav hier. Ich, uh... Ich melde mich bei euch, oder so.“ Und dann war er auch verschwunden, einfach so, mitten auf der Straße. Nichts blieb außer der Erinnerung, dass sie eben beide noch hier gestanden hatten.
      Vanessa fing an zu schluchzen. Mane legte langsam einen Arm um sie, und Vanessa lehnte sich an ihn und weinte vor lauter Angst um Tuomas.

      Ohne die Siegeltür war das Nichts nur noch Endlosigkeit ohne Fokus. Tuomas spürte, dass sich jedes Haar auf seinem Körper aufrichtete. Angefangen bei seinen Handgelenken über die Unter- und Oberarme, über die Schultern zum Nacken hinauf und den Rücken hinab.
      Er erzitterte.
      Trümmer lagen auf dem Boden und Tuomas stellte mit gelinde angeekeltem Gesichtsausdruck fest, dass er auf irgendwelchen abgetrennten Körperteilen stand. Er machte einen Schritt zur Seite, ohne genauer hinzusehen, auf was genau er gestanden hatte.
      Hinter ihm materialisierte sich Sirius. Als Tuomas ihn wahrnahm, lachte er humorlos. „Wie siehst du denn aus?“
      Sirius runzelte die Stirn. Seine Haare waren, wie eigentlich für ihn üblich, hüftlang und glatt wie ein Seidenvorhang. Kettenglieder klirrten um seinen Hals und seine Handgelenke, schwarze Verzierungen waren auf seine linke Wange gezeichnet. „Als ob dir mein eigentliches Erscheinungsbild neu wäre“, sagte er. Dann machte er einen Schritt auf Tuomas zu, packte ihn nicht gerade sanft und zog ihm den linken Ärmel des schwarzen T-Shirts hoch.
      „Hey, was...“ Tuomas verstummte. Auf seiner linkten Schulter prangte ein kleines Zeichen; ein Kreis mit einem kleineren Kreis darin. Schlicht, klein und schwarz war Sols Kennzeichen, aber es verschlug Tuomas die Sprache.
      „Das wäre dann der letzte Beweis, dass du es bist“, sagte Sirius grimmig. „Hier tragt ihr alle eure Zeichen, du und Gäa und Lucifer und alle anderen der höheren Rangordnung.“
      „Ist das gut?“, fragte Tuomas und rieb sich mit einer Hand über die Schulter.
      „Es verringert unsere Chancen zumindest nicht“, murmelte Sirius und sah sich dann um. „Wir sind zu spät.“
      „Ja, das dachte ich mir.“ Tuomas sah hinab auf das Trümmerfeld, in dem sie standen. Irgendwo links neben ihnen zuckte ein Körper, aber sie sahen beide nicht hin. Die Brocken der Siegeltüre waren riesig und reichten Tuomas ohne weiteres bis an die Hüfte. Sie waren aus schwarzem Material, das Tuomas nicht kannte, und schienen in der Dunkelheit leicht zu glänzen.
      „Ich hatte mir etwas mehr Action erhofft“, sagte Tuomas trocken, als nichts passierte. „Wenigstens ein Erdbeben oder so... Aber hier tut sich ja nichts!“
      „Freu dich nicht zu früh.“ Sirius war unruhig und blickte immer wieder umher, als befürchtete er, gleich von jemandem – oder etwas – angefallen zu werden. „Das wird schon noch kommen.“
      „Wir warten also sozusagen auf den Weltuntergang?“ Tuomas seufzte und setzte sich auf einen Trümmerhaufen, zog die Beine an und suchte aus Gewohnheit seine Taschen nach Zigaretten ab, fand aber keine. Zähneknirschend legte er die Arme auf die Knie und sah wieder zu Sirius.
      „Mir gefällt das nicht“, sagte er. „Ganz und gar nicht. Es ist zu... ruhig.“
      „Darf ich dich daran erinnern, dass das hier das Nichts ist?“ Tuomas schüttelte den Kopf. „Was soll schon passieren? Vielleicht ist das Chaos ja in einer... anderen Dimensionsebene oder so rausgekommen? Ich hab wenig Ahnung von Physik, na ja.“
      „Mit Physik hat das hier auch nicht mehr viel zu tun. Das ist etwas, was die Menschen nicht begreifen können, und wenn doch, werden sie als verrückt abgestempelt.“
      „Das erste mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, mit dir einer Meinung zu sein“, sagte Tuomas gelinde überrascht.
      Sirius warf ihm einen strafenden Blick zu und fuhr sich dann mit beiden Händen über die langen Haare. „Mir gefällt das nicht“, sagte er wieder. „Wir sollten vielleicht zurück. Wenn wir wirklich so spät sind, dass es nicht einmal hier ist...“
      Tuomas hörte ihm nicht weiter zu, als er lamentierte und jammerte. Er brauchte Sirius für den entscheidenden Startschubs, denn nur Sirius war in der Lage, Tuomas einen gelinden Übersicht über die Situation zu verschaffen.
      Aber im Kampf wäre er allein, das wusste er. Allein gegen die ultimative Zerstörung.
      Etwas zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Schwarze Schatten schlichen um seine Füße herum und nahm ihm zwischenzeitlich sogar die Sicht auf ebenjene. Viel beunruhigender war allerdings, dass er, sobald seine Füße in der Schwärze verwanden, sie nicht mehr spüren konnte. Es war, als wäre alles unterhalb des Knies eingeschlafen. Etwas beunruhigt bewegte er die Zehen, aber er spürte nichts. Er war sich nicht einmal sicher, ob er überhaupt noch Zehen besaß. Und wenn ja, wie man sie bewegte.
      Er folgte den Schlieren mit den Augen, während Sirius ein paar Schritt weiter nervös im Kreis ging und noch immer am reden war. Er schien den schwarzen Nebel auf dem Boden nicht bemerkt zu haben, und auch nicht, dass er sich immer weiter verdichtete, bis man ihn beinahe anfassen konnte, in die Höhe wuchs und Gestalt annahm...
      Vorsicht!!“, schrie Tuomas, stieß sich von dem Stein ab, auf dem er saß und schleuderte Sirius mit einem Luftstoß hart zu Boden, kurz bevor er selbst das Gleichgewicht verlor, da er seine Füße nach wie vor nicht spürte.
      Er sah, dass er genau in den Nebel fallen würde, und wenn das, was mit seinen Füßen passiert war, sich auf den ganzen Körper ausbreiten sollte, wäre er wohl die längste zeit seines Lebens Tuomas Valentin gewesen.
      Er drehte sich im Fall und schlang die Arme um den Oberkörper. Als er auf den Boden aufprallte, hüllte er sich in einen Luftschild. Die Schatten wurden aufgewirbelt und stoben in alle Richtungen davon, nun nicht mehr so dicht wie vorher. Im Schutze seines Schildes, das man nur daran erahnen konnte, weil die Schatten davon abprallten, stolperte Tuomas zu Sirius, der noch immer irgendwo im Dunkeln lag, was sich als nicht so einfach gestaltete, da seine Beine noch immer taub waren und er mehr fiel als lief. Aber jetzt spürte er sie wieder, spürte sie, als hätten sie ein Eiswasser gelegen. Sie stachen und brannten, aber Tuomas biss die Zähne zusammen und langte mit einem Arm in die fast undurchdringbare Dunkelheit.
      Er bekam einen kalten Körper zu fassen und zog Sirius an was auch immer er ihn festhielt in die Höhe und hinein in seinen Schutzschild. „Komm zu dir!“, sagte er etwas panisch, als er Sirius in beiden Armen festhielt, aber keine Reaktion auf ihn zeigte. Seine hellen, grauen Augen mit der kleinen, stechendschwarzen Pupille darin waren verdreht. Sein Körper war kalt und steif, als sei er schon seit einigen Stunden tot. „Scheiße, Mann! Lass den Mist!“ Tuomas ohrfeigte Sirius ein paar Mal ordentlich auf beide Wangen, bis endlich das Leben zurück in ihn gefunden hatte.
      Sirius gab ein wenig intelligentes Geräusch von sich und packte sich dann an den Kopf. Er zitterte am ganzen Körper. Seine Lippen waren blau, schwarze Schleier huschten sichtbar über seine Augen. „Was...“
      Tuomas ohrfeigte ihn ungefragt noch ein paar mal. Diesmal kam seine Nachricht wohl besser an, denn Sirius konnte sich aus seinen Armen reißen und spürte wohl auch wieder Schmerz, denn er fluchte ziemlich unhöflich und hielt sich die Wangen fest.
      „Geht’s wieder?“, fragte Tuomas etwas unbeholfen. „Scheiße, jag mir niemals wieder so einen Schreck ein! Ich dachte schon, jetzt wär ich vollkommen allein!“
      Sirius sah ihn einen Moment lang verwirrt an, dann wurde er endlich ihrer Umgebung gewahr. Schwarze Schatten kratzten an Tuomas wabernden Schutzkreis, der unter dem Druck der Schattenarme, die nach ihnen griffen, beunruhigend flackerte.
      Sirius begann wieder zu zittern. „Wir... sollten hier schleunigst weg. Lass uns zurück zur Erde, und uns noch einmal beraten, wir...“ Er brach ab, als er Tuomas sah.
      Der schüttelte nur den Kopf. „Ich hab hier was zu erledigen“, sagte er. „Ich kann jetzt nicht mehr gehen. Ich verlange nicht von dir, dass du bleibst und mit mir kämpfst. Aber du musst mir wenigstens sagen, was ich tun muss.“
      Sirius sah verzweifelt aus. „Ich... ich war nicht dabei, als das Chaos damals versiegelt wurde.“ Er zuckte zusammen, als für einen kurzen Moment die Schattenarme die Überhand zu gewinnen schienen und nur für die Dauer eines Wimpernschlages durch die unsichtbare Wand brachen, die sie schütze, aber Tuomas zuckte nicht einmal mit dem Lid, und die Barriere hatte sich wieder stabilisiert.
      Er war vollkommen ruhig. Zwar etwas bleicher als sonst und die Haare auf seinen Armen hatten sich aufgerichtet, aber ansonsten schein er von allem um ihn herum recht wenig angetan. Er passte nicht hierher, weniger noch als Sirius, der mit den fast hüftlangen Haaren und den Eisenketten um die Gelenke und dem perfekt sitzenden Herrenanzug recht skurril wirkte.
      Tuomas stand da, mit seinen ausgetragenen und nur lose geschnürten Schuhen, das blassschwarze, ausgetragene T-Shirt in die zerschlissene graue Jeans mit den geraden Beinen gesteckt, den schwarzen Ledergürtel im dritten Loch, die Fingernägel zum Gitarrespielen rechts lang, links kurz und die Fingerspitzen vom ewigen Rauchen schon gelblich verfärbt. Seine Lippen waren schmal und bleich, die Haare lang und glatt. Seine Arme lagen ruhig neben den Oberschenkeln an, das Gewicht hatte er auf den rechten Fuß gestützt. Er hätte genauso gut an einer Straßenbahnhaltestelle stehen und warten können.
      Er war zu... normal für diesen Ort.
      Allein seine Augen verrieten, dass er zu Höherem bestimmt war als Gebäude für Geld in Brand zu setzen. Ungetrübt starrten sie Sirius fest an und blinzelten nur selten.
      Sirius zuckte wieder zusammen, als die Schatten versuchten, zu ihnen durchzukommen. Tuomas ignorierte das vollkommen. „Ich höre“, sagte er. „Irgendwas wirst du mir ja wohl sagen können. Und an deiner Stelle würde ich mich damit beeilen, ich merke genau, dass ich den Luftschild nicht mehr lange so problemlos aufrechterhalten kann, und die Schatten da draußen werden immer dichter.“
      „Sol, hör mir zu. Ich kann dir hierbei nicht helfen. Lucifer hatte Recht mit all seinen Anschuldigungen – dass ich in der Rangliste so weit oben stehe, habe ich meiner Arschkriecherei zu verdanken und dem Glück, dass man mich in der Regel mag, aber ich habe keinem von euch etwas entgegenzusetzen. Alles, was ich für dich tun kann, ist dich herbringen, so lange du es noch nicht selbst kannst – und selbst das erledigst du mittlerweile von selbst.“
      Tuomas starrte ihn an und zog langsam die Stirn kraus. Sirius entgegnete seinem Blick unbeweglich.
      Irgendwann gab Tuomas nach. „Mach, dass du weg kommst“, sagte er. „Ich will dich nicht auch noch unnötig gefährden. Pass... pass auf Vanessa auf, solange ich nicht da bin.“
      Sirius lächelte bitter. „Den Satz hast du schon einmal zu mir gesagt, vor sehr langer Zeit.“ Er zögerte einen Moment. Dann machte er einen Schritt und packte Tuomas an der Schulter. „Lass uns nicht hängen, Sol. Unser aller Leben liegt auf deinen Schultern.“
      „Ein guter Grund für dich, ebenjene jetzt loszulassen und nicht noch zu zertrümmern.“ Tuomas löste Sirius’ Hand. „Hau ab, hier wird’s jetzt nämlich brenzlig.“
      Sirius nickte und verschwand. Er hinterließ nichts außer einem schwachen Luftzug. Es war das letzte Mal, dass Tuomas ihn sah.
      Tuomas keuchte, sein Luftschutzschild zertrümmerte. Es war höllisch anstrengend gewesen, vor Sirius keine Schwäche zu zeigen. Er sackte in die Knie und konnte gerade noch tief Luft holen, ehe er in das Meer aus schwarzen Schatten eintauchte, das mittlerweile allgegenwärtig war.
      Er verlor den Boden unter den Füßen, überschlug sich und prallte, ehe er sich wirklich erschrecken konnte, hart auf eine Wiese.
      Verwirrt starrte er in den blauen Himmel über sich. Er spürte grünes Gras zwischen seinen Fingern. Er rupfte ein paar Halme aus und sah sie skeptisch sie an, roch daran. Definitiv Gras.
      Er blickte sich um. Weit hinten am Horizont konnte er weiße Berge sehen und einen im Licht schimmernden See. Keine Wolke war am hellblauen Himmel zu sehen. Unweit von ihm standen drei Bäume auf einem kleinen Hügel. Alles wirkte wie gemalt und seltsam unwirklich. Die Luft flimmerte wie an einem heißen Somemrtag.
      „Was zur Hölle...“ Tuomas kam wieder auf die Beine und klopfte sich die Kleidung ab.
      Dann erstarrte er.
      Bei den drei Bäumen stand eine Gestalt. Selbst auf die Entfernung konnte Tuomas jedes Detail erkennen, als stünde sie direkt vor ihm.
      Das Chaos war fast zwei Meter groß und seine Haut war weiß wie Porzellan, ebenso sein Haar, dass sich irgendwo auf Hüfthöhe im Nichts verlor und einfach... verschwand. Es trug eine schwarze Rüstung, deren Material Tuomas nicht sofort identifizieren konnte. Seine Hände steckten in krallenartigen Handschuhen passend zur Rüstung, die Stiefel liefen spitz zu. Nur an den Gelenken von Hals, Kniekehlen, Schritt und Armen blitzt unter der schwarzen Rüstung roter Stoff – wenn es denn Stoff war – hervor. Es hatte einen schwarzen Einhänder, dessen Klinge das Licht einfach zu verschlucken schien, vor sich in den Boden gerammt. Das Gras darum herum dörrte zusehends aus.
      Das Urchaos trug eine schwarze Augenbinde über dem weißen Gesicht und grinste ihm entgegen.
      Tuomas machte einen Schritt zurück, als es sein Schwert aus der Erde zog und langsam auf ihn zuschritt. Unter seinen Füßen starben alle Pflanzen augenblicklich ab. Es hatte menschliche Züge, auch wenn jedwede Menschlichkeit bei ihm vergebens gesucht war. Doch es hatte eine Nase, Lippen, Arme und Beine und unter dem schwarzen Tuch, das sich über seine Augenhöhen zog, mochte wohl auch ein Augenpaar verborgen liegen.
      DIES IST, WAS ER WILL, sagte es, als es sich Tuomas auf fast fünf Meter genähert hatte. WIR WERDEN UNS NICHT WIEDER EINSPERREN LASSEN. WIR SIND DAS URCHAOS. WIR SIND URSPRUNG ALLER WELTEN UND UNTERGANG EBENJENER. WIR SIND ANFANG UND ENDE, WIR SIND ALLGEGENWÄRTIG. WIR SOLLTEN NICHT IN FESSELN LIEGEN!
      „Da bin ich aber anderer Meinung“, sagte Tuomas langsam und betrachtete alarmbereit, wie das Chaos die Hände hob und die Augenbinde um seinen Kopf ablöste. Das schwarze Tuch segelte unbeachtet zu Boden und Tuomas konnte die weißen Wimpern des Chaos sehen, jede einzelne davon, als blickte er durch eine Lupe. Generell schienen seine Sinne verrückt zu spielen, so glaubte er, auf dem linken Ohr nichts mehr zu hören, und seine Zunge fühlte sich pelzig und taub an, er vernahm den schweren Eisengeschmack von Blut. Er bekam Kopfschmerzen, wenn er das Chaos vor sich zu lange ansah, und sein Magen krampfte sich quälend zusammen.
      Alles an der Gestalt ihm gegenüber wirkte so hübsch und androgyn, von den feinen Gesichtszügen zu den langen Wimpern, nur seine Stimme war dunkel und bedrohlich, wie die Ruhe vor dem Sturm.
      Das Chaos öffnete seine Augen.
      Der Himmel wurde wie im Zeitraffer von strahlendblau zu blutrot. Wolken zogen auf und ließen den Himmel aussehen wie eine Decke, die mit Tapete überzogen war, die sich ablöste und es nur eine Frage der Zeit war, bis sie zu Boden fiel. Wind kam auf und rauschte in den Blättern der Bäume, das Gras unter Tuomas’ Füßen wippte.
      Die Augen des Chaos schienen ihn zu verschlingen und mit sich zu reißen. Es hatte keine Pupille und keine Iris. Seine Augäpfel waren das All. Ob es nun Irrglaube oder Wirklichkeit war, doch in seinen Augen funkelten Sterne, gingen Universen auf und verschwanden wieder. Man konnte dem zusehen, doch Tuomas wagte nicht, das zu lange zu tun. Mit höchster Konzentration lenkte er seinen Blick auf eine Stelle links neben dem Ohr des Chaos.
      Das Chaos zog wieder sein Schwert. Aus der Nähe konnte Tuomas ganz deutlich erkennen, dass er mit dieser Waffe lieber keine Bekanntschaft machen wollte. Er konnte sehen, wie die Klinge aus Schatten langsam alles Licht aufnahmen.
      VON IHM, WÄCHTER, HÄNGT ZERFALL ODER INKARNATION AB. Das Chaos sah ihn an. Tuomas spürte, dass sein Herz einen Moment lang aussetzte, dann riss er sich zusammen und machte sich darauf bereit, sich zu verteidigen. Wie auch immer er das tun würde – darüber würde er sich Gedanken machen, wenn es so weit war.
      DIES IST SEIN ENDE, sagte das Chaos. UND UNSER ANFANG.
      Es hob die Klinge.

      ~
      Cliffhanger.
      W.f.
      Næhmachinery
      Premonitions in the rising wind; tonight the stars will fall.
      The world in a cyclone, pouring out.
      No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.
    • Ich bin nach wie vor gegen "schwerer Eisengeschmack von Blut", in meinen Ohren klingt das einfach nicht. Auch ist mir Tuomas noch zu gelassen, mag aber auch nur in meinen Augen so wirken, wer weiß. Der Rest ist nichtsdestotrotz schön geschrieben und ich will jetzt verdammt nochmal das Ende lesen 8'D *zuck*
      Auf jedenfall muss man sagen, dass sich die ganze Geschichte zum Ende hin schreibtechnisch immer weiter verbessert hat ^^ und in Sachen Dialoge schlägt dich keiner so schnell x3

      Tuomas ohne Kaffee ist wie Pente ohne Lasagne, deshalb *lasagne hinschieb* eine kleine Belohnung für das fleißige Fo :3

      Au revoir
      Taya

      Always
      I wanne be with you
      And make believe with you

      [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/4391/robotunicornattack238ks.jpg]
      And live in
      HARMONY HARMONY
      OH LOVE



    • Die Beschreibung des Chaos gefällt mir an dem Abschnitt am Besten,konnte ich mir sehr gut vorstellen...
      Ansonsten...beim rätseln des Namen des Kapitels hab ich total vertan,hätte nicht gedacht dass es Gäa heißen würde*g*.
      Ne Kleinigkeit die mir noch aufgefallen ist:
      Bei der Beschreibung von Tuomas Fingernägeln,meintest du dass die Rechten lang und die Linken kürzer auf Grund des Gitarrenspielens wären(Ich finds schon ma total klasse,dass du auf so Kleinigkeiten achtest^^).Nur meine ich mich dran zu errinern,dass er schon länger keine Gitarre mehr gespielt hat? Hast du glaube ich mal erwähnt,aber vielleicht hab ich mir das auch nur eingebildet :ugly:

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Carol ()