Original von Ichan
Klingt jetzt sehr nach selbst erlebter Story...
eigentlich wollt ich da jetzt nichts mehr zu sagen, weil man wie gesagt sich ewig drüber streiten kann. Aber ich wollte nur noch mal betonen, dass wenig Sex vielleicht ein Grund ist, weshalb man fremdgeht, aber kein Grund, der tolerierbar wär. Über all die Gefühle, die du geschildert hast, muss man auch reden...und bevor man fremdgeht, sollte man dann wirklich erst die Beziehung beenden.
Was soll das heißen, "nicht tolerierbar"? Ich finde es schwierig, bei solchen "Ausrutschern" gleich auf die Persönlichkeit des anderen zu schließen. Wenn das Ganze länger andauert und derjenige den Partner eine Weile hintergeht, ist es eine Sache, denn das Hintergehen ist dann der Punkt, den ich als nicht tolerierbar ansehen würde. Aber der Seitensprung an sich wird durch viele Faktoren herbeigeführt, die Carch alle schon sehr schön zusammengefasst hat (btw muss das nichts Selbsterlebtes sein, Ichan, sowas kann man sich auch ohne weiteres zusammenreimen).
Ich gebe Carcharoth also Recht, wenn er sagt, dass es oft Trennungsgrund Nummer eins ist. Und die Gründe sind auch oft gute; man sollte nicht mit einem verklärt-romantischen Bild durch die Gegend laufen, dass jeder Mensch trotz Liebe ohne Sex kann. Das funktioniert einfach nicht.
Ich lese zur Zeit auch Liebe – ein unordentliches Gefühl von Richard David Precht und er zeigt da sehr schön auf, dass jeder Kontakt mit Menschen einer Selbstbespiegelung gleich kommt. Dass wir uns im Verhalten der anderen Bestätigung suchen, wie wir wirken, wie wir angenommen werden, ob wir "gute Menschen" und liebenswert sind. Dieser Zustand wird in einer Beziehung nur noch auf einen Status des Besonderen gehoben; und im Sex findet man nicht nur Erfüllung, weil man durch den anderen befriedigt wird – sondern auch und vor allem, weil man den anderen befriedigt, so sagt er.
Und ich halte diesen Punkt für plausibel und sehr wichtig. Wieder an die Selbstbespiegelung gedacht: Ist man nicht in der Lage, den anderen zu befriedigen – bleibt der Sex also aus – nagen eben die Zweifel an einem, die Carch schon erwähnte. Ob man überhaupt von seinem Partner geliebt wird – ob man überhaupt von irgendjemandem geliebt werden kann. Der Spiegel fehlt, man sucht ihn sich an anderer Stelle. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Und den nach einem Vorfall moralisch bewerten zu wollen, halte ich für kritisch. Nur wenige Menschen dürften stark genug sein, ihr Ego zurückzuschrauben, um dies zu verhindern.
Selbst bei einem dauerhaften Betrügen kommen diese Faktoren hinzu. Dass dann noch das Belügen auf lange Sicht erschwerend den Partner verletzt, ist eine andere Sache, sollte aber imo von der Sex-Diskussion ein wenig getrennt werden.
Und Fo – das hat bei vielen sicher nicht einmal etwas mit Respektlosigkeit zu tun. Treue ist ein schönes Ideal, das ich auch unterstütze, aber es ist leicht zu sagen "besser Schluss machen, als Fremdgehen". Aber eben nur in der Theorie.



Kann die Situation sehr gut nachvollziehen, glaube ich.