Nachts vor der Glotze zu hängen, kann ja tatsächlich was für sich haben, wenn man bei den sendern bleibt, die man im normalen Nachmittagsprogramm eher überspringt. Jedenfalls lese ich jetzt dank einer Talkshow nachts auf 3Sat:
Du sollst nicht lügen! — "Von einem, der auszog, ehrlich zu sein"
von Jürgen Schmieder
Normalerweise lese ich ja nicht mehr, bzw. nur selten und wenn, dann auch nur von ausgewählten Autoren. Spontankäufe sind nichts, was mich literarisch jemals erfüllt hätte und auch, als ich dieses Buch kaufte, war der Gang in die Buchhandlung mti einem Blick auf den "Fantasy"-Tisch mit Magenschmerzen verbunden.
Wie dem auch sei.
Der Autor hat es sich zur Aufgabe gemacht, 40 Tage lang gnadenlos ehrlich zu sein und keine Lügen mehr zu erzählen. Das fängt bei einer ehrlichen Antwort auf das altbekannte "Wie geht's dir?" an, geht über "Ja, dein Hintern sieht in der Hose fett aus!" bis hin zum Verrat am besten Freund, als er erzählt, dass er seine Exfreundin betrogen hat.
Wen wundert es, dass sich der Autor innerhalb von kürzester Zeit nur Feinde macht. Seine Frau verbannt ihn gar auf die Couch. Er wird beleidigt und sogar verprügelt.
Weil er das tut, von dem alle immer behaupten, wir würden es tun.
Weil er ehrlich ist.
Sobald ich von diesem Buch hörte, war mir klar, dass ich es lesen muss. Ich, die ich auf tieften Herzensgrund glaube, dass es besser ist, lieber eine ehrliche Faust im Gesicht zu haben und unehrlich gebauchpinselt zu werden. Und auch selebr dementsprechend handle und daher auch gewöhnt bin, als das Arschloch hingestellt zu werden.
Das Buch liest sich spannend, denn es ist eine Mischung aus spritzig erzählter wissenschaftlicher Beobachtung (z.B. die Haltung verschiedener Philosophen zum Thema) bis hin zu den Alltagssiuationen, die er durchlebt. Ein gutes Buch. Es macht mich aber vor allem wütend—ich finde es dermaßen ungerecht, wie dieser Mann behandelt wird, weil er die Eier hat, ehrlich zu sein und auf diese gottverdammten sozialverträglichen Alltagslügen zu verzichten. Doktor House hätte an seinem Weltbild gezweifelt, denn Schmieder zieht knallhart durch, was er sich vorgenommen hat: Er weiß genau, was für Konsequenzen er tragen wird, wenn er ehrlich ist und tut es trotzdem. Der Mann hat 'ne Medaille verdient.
Alles in allem würde ich sagen: Dieses Buch sollte jeder mal gelesen haben. Und ich finde, jeder sollte diese Erfahungen mal gemacht haben: Ehrlich gewesen zu sein, von grund auf, und dann dafür verstoßen zu werden.
Und ich glaube fest daran: Wenn wir alle aufhören zu lügen, wär es auch gar nicht mehr so schlimm, wenn wir mal die Wahrheit ins Gesicht geschmissen bekommen.
Du sollst nicht lügen! — "Von einem, der auszog, ehrlich zu sein"
von Jürgen Schmieder
Normalerweise lese ich ja nicht mehr, bzw. nur selten und wenn, dann auch nur von ausgewählten Autoren. Spontankäufe sind nichts, was mich literarisch jemals erfüllt hätte und auch, als ich dieses Buch kaufte, war der Gang in die Buchhandlung mti einem Blick auf den "Fantasy"-Tisch mit Magenschmerzen verbunden.
Wie dem auch sei.
Der Autor hat es sich zur Aufgabe gemacht, 40 Tage lang gnadenlos ehrlich zu sein und keine Lügen mehr zu erzählen. Das fängt bei einer ehrlichen Antwort auf das altbekannte "Wie geht's dir?" an, geht über "Ja, dein Hintern sieht in der Hose fett aus!" bis hin zum Verrat am besten Freund, als er erzählt, dass er seine Exfreundin betrogen hat.
Wen wundert es, dass sich der Autor innerhalb von kürzester Zeit nur Feinde macht. Seine Frau verbannt ihn gar auf die Couch. Er wird beleidigt und sogar verprügelt.
Weil er das tut, von dem alle immer behaupten, wir würden es tun.
Weil er ehrlich ist.
Sobald ich von diesem Buch hörte, war mir klar, dass ich es lesen muss. Ich, die ich auf tieften Herzensgrund glaube, dass es besser ist, lieber eine ehrliche Faust im Gesicht zu haben und unehrlich gebauchpinselt zu werden. Und auch selebr dementsprechend handle und daher auch gewöhnt bin, als das Arschloch hingestellt zu werden.
Das Buch liest sich spannend, denn es ist eine Mischung aus spritzig erzählter wissenschaftlicher Beobachtung (z.B. die Haltung verschiedener Philosophen zum Thema) bis hin zu den Alltagssiuationen, die er durchlebt. Ein gutes Buch. Es macht mich aber vor allem wütend—ich finde es dermaßen ungerecht, wie dieser Mann behandelt wird, weil er die Eier hat, ehrlich zu sein und auf diese gottverdammten sozialverträglichen Alltagslügen zu verzichten. Doktor House hätte an seinem Weltbild gezweifelt, denn Schmieder zieht knallhart durch, was er sich vorgenommen hat: Er weiß genau, was für Konsequenzen er tragen wird, wenn er ehrlich ist und tut es trotzdem. Der Mann hat 'ne Medaille verdient.
Alles in allem würde ich sagen: Dieses Buch sollte jeder mal gelesen haben. Und ich finde, jeder sollte diese Erfahungen mal gemacht haben: Ehrlich gewesen zu sein, von grund auf, und dann dafür verstoßen zu werden.
Und ich glaube fest daran: Wenn wir alle aufhören zu lügen, wär es auch gar nicht mehr so schlimm, wenn wir mal die Wahrheit ins Gesicht geschmissen bekommen.
⁂ Næhmachinery
Premonitions in the rising wind; tonight the stars will fall.
The world in a cyclone, pouring out.
No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.
The world in a cyclone, pouring out.
No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.

