Das Chaos

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    • Original von FoWo
      Sie schließ noch, tief und fest, friedlich wie ein Engel.


      Sie schließ wie ein engel? 8o kannst du mir mal beibringen wie man wie ein engel "schließt"? :ugly:
      oder soll das"schlief" heißen ?


      najo, war das der offensichtlichsten fehler, den ich gefunden habe... naja finden stimmt da nicht. er sprang mir direkt ins gesicht :tongue:

      äh, nice story und schreib weiter, ich warte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AngelOfDarkness ()

    • das war ja so klar -.-
      ich hab vor paar wochen angefangen deine story zulesen und ich finde deinen scdhreibstil toll :D

      das vanessa gäa ist (event.) dachte ich mir schon seit gäa überhaupt erwähnt wurde^^

      jetzt musst du aber schnell weiterscdhreiben *ungeduldig*
      [Blockierte Grafik: http://img829.imageshack.us/img829/698/mgscomic14.jpg]
      ...in that case, can we just skip the talking and fight already? - NO!
    • Yay für sinnloses Tippfehler-Raussuchen. xDv

      [...]"erinnerte sich daran, dass Tuomas auf die wartete und lief los"[...]

      Auf sie. Imho. xD


      So, abgesehen davon weiß ich nicht mehr viel, das meiste... ähm, wichtigste hab ich dir ja schon per ICQ verklickert und der Cliffhanger ist in der Tat böse, vor allem, weil ab hier die Story erst so richtig schön spektakulär zu werden scheint. oo/
      Mir bleibt mal wieder nicht mehr zu sagen als die übliche Floskel "Schreib wei..." Ach ne, du weißt schon. xD (Ist schlimm, immer wieder dasselbe posten zu müssen. oO Du könntest zur Abwechslung mal Scheiße schreiben. xD)


      (Ja, man kann draufklicken)
    • Schön, mir gefällt der Teil, sogar sehr gut ^^

      Also, äh, äh, nein, Fehler gibt's keine (oder zumindest keine, die ich entdeckt hätte :ugly: ) als, nachdem mir nix mehr einfällt, wie ich diesen Post sonst noch länger werden lassen könnte: Schreib weiter!!!
    • So nachdem ich irgendwo einmal ausgestiegen bin und dann auf einmal in einem anderen Teil von Sirius die Rede war hab ich mich jetzt nochmals durch das ganze Zeugs geblättert. (ne gesammtfassung gibts nicht, oder? *hoffnungsvoll guck*)
      Wenn man einmal nicht mitliest, kann man wieder suchen ohne ende xD

      Egal... also von der Storyentwicklung gher gefällt es mir sehr gut, dass du einige unerwartete Sachen eingebracht hast. Gerade die Stele wo Tuomas sein Auge verliert und kurz darauf auch noch erfährt, dass er vermutlich nichteinmal Sol ist verleiht dem ganzen etwas Dramatik. Wen ich nicht leiden kann ist Mane X( Das ist so ein typischer "Charakter den der Leser lieben muss weil er so anders ist" Mensch xD

      Am letzten geposteten Teil, liebe ich genau 2 Wörter besonders ^^ "absolut ahnungslose". Keine Ahnung wieso, aber die tatsache, dass Lucien dies nochmals besonders hervorhebt gefällt mir irgendwie.

      Was ich leicht übertrieben finde ist, dass du Vanessa gleich mehrere Kinder angedichtet hast. Mehrere deutet darauf hin, dass es vermutlich mehr als zwei sind. Da ich mal nicht annehme, dass es sich um Drillinge handelt kommt sie auf fast zweieinhalb Jahre Schwangerschaft.
      Dazu noch all das andere Zeug + ihre Vergangenheit. Natürlich geht sich das schon irgendwie aus, aber ich fände es besser, wenn du dich vielleicht auf ein Kind beschränken köntest oder Vanessa etwas älter machen würdest.

      "Time passes, people move... Like a river's flow,it never ends... A childish mind will turn to noble ambition... Young love will become deep affection... The clear water's surfacereflects growth...
      Now listen to the Serenade of Water to reflect uponyourself...."


    • Original von Clemo

      Was ich leicht übertrieben finde ist, dass du Vanessa gleich mehrere Kinder angedichtet hast. Mehrere deutet darauf hin, dass es vermutlich mehr als zwei sind. Da ich mal nicht annehme, dass es sich um Drillinge handelt kommt sie auf fast zweieinhalb Jahre Schwangerschaft.
      Dazu noch all das andere Zeug + ihre Vergangenheit. [..]

      Rein zeitlich gesehen passt das allerdings durchaus. Wenn man sich ständig mit allen möglichen alkoholischen Getränken sowie Drogen vollknallt und anschließend ungeschützten Sex mit allem hat, was gerade zur Verfügung steht, sind so ein paar Kinder inklusive Totgeburten und Abtreibungen schnell gemacht.

      dead girls dry each others eyes
      and pretend for a while
      that we're still alive.


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    • Original von Sirius
      Original von Clemo

      Was ich leicht übertrieben finde ist, dass du Vanessa gleich mehrere Kinder angedichtet hast. Mehrere deutet darauf hin, dass es vermutlich mehr als zwei sind. Da ich mal nicht annehme, dass es sich um Drillinge handelt kommt sie auf fast zweieinhalb Jahre Schwangerschaft.
      Dazu noch all das andere Zeug + ihre Vergangenheit. [..]

      Rein zeitlich gesehen passt das allerdings durchaus.


      Hab ich ja auch nicht bestritten. :rolleyes:
      Ich fände es nur besser, wenn es etwas anders wäre weil diese Informationsfülle den Leser schon beinahe zu erschlagen droht. Man weiß normal bis durchschnittlich viel von Vanessa und auf einmal KLATSCH offenbart sich gleich ein Großteil ihrer Vergangenheit und sofort darauf folgt auch noch die Aufklärung darüber, dass sie Gäa ist.

      "Time passes, people move... Like a river's flow,it never ends... A childish mind will turn to noble ambition... Young love will become deep affection... The clear water's surfacereflects growth...
      Now listen to the Serenade of Water to reflect uponyourself...."


    • @ Clemo:
      Ich lege es darauf an, dass es eine Informationsflut und vielleicht sogar ein bisschen~ zu viel sein könnte. ^^

      Ansonsten -- na ja. Bitte sagt mir, was ihr von diesem Absatz haltet. Ich bin mir sehr unsicher. Flashbacks sind eine.. schwierige Sache.
      Seid bitte kritisch!


      [...]
      Lucien lachte hell auf. „Acrux, mein kleiner Blindfuchs, vor dir steht die einzigartige, wunderschöne, machtvolle und absolut ahnungslose Inkarnation Gäas!“
      „Gäa?“, weinte Vanessa. „Wovon redest du? Was soll das! Lass mich endlich los!“
      „Nein, ich glaube nicht. Du wirst mit mir kommen.“ Lucien schubste sie zu Acrux. „Halt sie fest und pass auf, dass sie nicht abhaut.“
      Acrux griff nach Vanessa, als sei sie ein rohes Ei. Ganz vorsichtig hielt er sie an beiden Handgelenken fest und sah etwas hilflos aus, als er Lucien ansah. „Aber Lucifer“, sagte er. „Wenn das Gäa ist... hältst du es für eine gute Idee...? Ich meine, ist sie nicht...“
      „Papperlapapp.“ Lucien winkte ärgerlich ab. „Die Kleine erinnert sich doch einen Scheißdreck, verzeih den Ausdruck. Nicht wahr, kleine Gäa?“ Er wandte sich wieder Vanessa zu und näherte sich ihrem Gesicht, grinste und zeigte zwei Reihen perfekter, weißer Zähne, wie aus Zahnpastawerbung. „Du hast die Schmerzen nicht ertragen können. Von deinem Geliebten getrennt zu sein war dir zu viel. Sirius war kein guter Ersatz, auch all die anderen nicht, und Mane hat sich trotz seiner Obsession zu dir nie gewagt, dich zu berühren. Und dann hast du dir dieses Schicksal selbst auferlegt. Aufopfernd und hemmungslos liebend wie immer.“ Er rückte wieder etwas weg und zog sich seine weiße Seidenkrawatte penibel zurecht. „Du hast dich überhaupt nicht verändert, Gäa. Nur die Haare sind etwas... kurz.“
      Vanessa starrte ihn an. Tränen rannen über ihre Wangen. „Wovon redest du überhaupt?“
      „Ist dir das Beweis genug?“, fragte Lucien Acrux höhnisch. Acrux zuckte schwach mit den Schultern. „Halt sie gut fest“, sagte Lucien, ohne weiter auf ihn zu achten. „Ich hab keine Lust, sie unterwegs zu verlieren.“
      „Wir nehmen sie als Geisel?“, fragte Acrux überrascht, fast panisch.
      Lucien lachte amüsiert, legte einen Arm auf Acrux’ Schulter. „So wird Sol früher oder später zu uns kommen müssen. Selbst wenn nicht – Gäa ist das Ass im Ärmel, das mir zugegebenerweise bisher gefehlt hat. Augen zu, meine Liebe, sonst wirst du Sol im wahrsten Sinne des Wortes nicht wiedersehen, verzeih mir das dumme Wortspiel.“
      Vanessa kniff die Augen zusammen und bemerkte trotzdem das gleißende Licht, das von Lucifer ausging. Selbst durch die geschlossenen Augen sah sie eine heiße, weiße Aura, die ihr in alle Körperöffnungen drang, in die geschlossenen Augen, die Ohren, durch die Lippen und sogar zwischen ihre Schenkel. Das Licht füllte alles aus, und sie wollte schreien, traute sich aber nicht, den Mund zu öffnen.
      Dann verlor sie den Boden unter den Füßen.
      Auf der Straße normalisierte sich das Leben wieder, Farbe kehrte auf die Welt zurück und niemand bemerkte, dass drei Personen weniger über die Straße eilten als vorher.
      Mane, der nur ein paar Meter weiter stand und das ganze Geschehen tatenlos beobachtet hatte, presste die Kiefer fest aufeinander, seine Fingerknöchel wurden weiß, als er die Hand um den Griff seines Geigenkoffers krallte, er zitterte.
      Dann wandte er sich ab. Er hatte Lucifer nichts entgegen zu setzen, aber er war Gäas Beschützer, und zur Not griff er auf die ihm unbeliebteste Methode zurück.
      Es war Zeit für einen Besuch bei seinem Bruder.

      Als Tuomas die Tür öffnete, erwartete er eigentlich, Vanessa zu sehen. Mane war alles andere als erwartet und erst recht nicht willkommen.
      „Was?“, knurrte er. Alleine die Erinnerung and Manes Gleichgültigkeit und mangelnde Kooperation machte ihn wütend.
      „Es ist Zeit zu handeln“, sagte Mane ruhig, regte sich aber nicht weiter. Tuomas betrachtete ihn so lange stumm starrend, bis er diesmal nachgab und hinzusetzte: „Lucifer hat Gäa. Ich kann sie alleine nicht retten. Es liegt an dir.“
      Tuomas spürte einen Stich in der Brust, ließ sich aber nichts anmerken und sagte, ohne eine Miene zu verziehen: „Sirius hat gesagt, ich wäre nicht Sol.“
      „Sirius irrt sich vielleicht, ich mich aber nicht“, erwiderte Mane ungerührt. „Oder willst du abstreiten, dass dir das Mädchen etwas bedeutet?“
      „Welches Mädchen? Gäa?“, fragte Tuomas unwillig. „ich kenne sie ja nicht mal.“
      „Vanessa. Klein, schwarze Locken, Augen blau wie das Wasser dieses Planeten.“ Mane betrachtete Tuomas’ Entsetzen ohne Regung. „Sirius hat an dir gezweifelt, weil du deine dir gegebene macht nicht benutzen kannst oder willst. Er hat den Fehler auf sich geschoben, aber ich weiß es besser. Unsere Gefühle für Gäa gehen nicht weit auseinander, deswegen haben wir uns nie gut vertragen, aber in dieser Sache sind wir uns hoffentlich einig. Gäa erinnert sich an nichts, ihre Inkarnationen waren über die Jahre immer unschuldig und unwissend und immer habe ich sie begleitet. Mal war sie eine Bettlerin, mal eine Nonne und mal eine Hebamme oder Ärztin. Tausende und abertausende ihrer Leben habe ich begleitet, ohne, dass sie je von meiner Existenz wusste – nur einmal ließ ich sie glauben, ich sei ihr Bruder. Ich glaube, das war mein liebstes ihrer Leben. Und dann dieses hier – sie fand dich von ganz allein, auch wenn es euch beiden nicht bewusst war. Sirius ist ein Nichtsnutz und Tunichgut, aber er trägt wenigstens Verantwortung für seine Fehler. Und ich hoffe, dass dir genug an Gäa liegt, um sie zu retten. Im Falle eines Falles werde ich ihr ihr Gedächtnis auch wiedergeben, denn sie ist stärker als du und Luc-...“
      „Jaja, weiß ich.“ Tuomas winkte verwirrt und etwas verärgert ab. Die Informationsflut war ihm entschieden zu hoch. Dann runzelte er die Stirn. „Hat Sirius mal jemand gesagt, wie viel Scheiße er baut?“
      „Nein, aber das kannst du gern tun, wenn wir ihm wieder begegnen.“ Mane blinzelte und stellte dann seinen Geigenkoffer ab. „Hilfst du mir?“
      „Ja, aber nicht wegen dir.“
      „Das dürfte normal sein.“ Mane sah Tuomas an und musterte einen Moment lang die schwarze Augenklappe. „In einem Punkt hatte er aber recht.“ Er kniete sich zu dem Koffer.
      „Ich bin ganz Ohr.“ Tuomas lehnte sich mit verschränkten Armen gegen seinen Türrahmen und sah Mane zu, der seine Geige liebevoll auspackte und anlegte. „Was wird das jetzt?“
      „Ich werde dafür Sorgen, dass du wieder weißt, was in die steckt, Sol“, sagte Mane, schloss die Augen und legte den Bogen an. „Du hast vergessen, wer du bist. Und ich kann das ändern.“ Er holte einmal tief Luft und begann dann zu spielen. Tuomas verdrehte die Augen und betrachtete ihn, wie er in dem ausgedienten Anzug im Flur stand und seiner Geige eine schöne, aber sehr traurige Melodie spielte. Irgendwie hatte er das Gefühl, das Stück zu kennen, aber dennoch wirkte es befremdlich, als würde man eine Sprache hören, ohne die Worte zu verstehen, die gesprochen wurden.
      Manes linke Hand griff mit einer routinierten Sicherheit die Saiten, während seine rechte Hand mit unglaublicher Wendigkeit und geschmeidigen Bewegungen den Bogen führte. Er hielt den Bogen locker in der Hand, als würde ihm das Spielen nicht mehr abverlangen als ein Stück Papier zu halten.
      Tuomas schloss die Augen, um ihn nicht länger betrachten zu müssen. Er lauschte nur der Musik und konnte nicht umhin, sich etwas sarkastisch zu fragen, was der Unsinn wohl sollte.
      Irgendwann merkte er, dass die Musik aufgehört hatte, und er öffnete die Augen.
      Er saß auf einem hohen, gut gepolsterten Lehnstuhl vor einem langen, massivem Konferenztisch, direkt rechts zum Kopfende. Ihm Gegenüber saß eine junge Frau mit dunkelrotem Haar und Augen, in denen ein Feuer zu züngeln schien. Sie hatte etwas wildes und unhaltbares an sich und wirkte wie jemand, der jede Sekunde den Verstand verlieren konnte. Sie trug nichts außer ein paar kompliziert umgebundenen Tüchern aus goldenem, roten und schwarzem Stoff.
      Rechts neben ihm saß – Sirius. Er trug einen königsblauen Überwurf aus flüsternder Seide, der an den Säumen mit Goldfaden bestickt war. Sein Haar war fast hüftlang und hing ihm in dünnen Strähnen ins Gesicht, die er immer wieder beiseite strich. Auf seiner linken Wange, hinab über Kiefer und Hals, rankte sich eine schwarze Tätowierung aus feinen, unterschiedlich dicken Linien. Er sah besorgt aus.
      Der Raum war klein und kaum beleuchtet. Es waren viele Leute anwesend, Männer und Frauen, alle in befremdlich anmaßende Gewänder gekleidet. Nur zwei Plätze waren noch unbesetzt; die beiden Kopfenden des Tisches.
      Tuomas wollte den Mund öffnen und etwas sagen, aber nichts passierte.
      Und dann öffnete sich die Tür am Ende des Raumes, alle Gespräche stellten sich ein und zwei Gestalten traten in den Raum.
      Tuomas war entsetzt, als er sich selbst sah.
      Seine Haare waren etwas länger und er hatte noch nicht die Narben an Hand- und Fußgelenken und um den Hals, und er trug nichts außer einem sehr schlichten Wickelrock aus rotem Stoff und eine goldene Krone auf dem Kopf, deren Strahlen seinen Kopf einrahmten. Doch trotz der Strahlenkrone wirkte er schlichter als alle anderen Personen hier, und ganz besonders wie die Person hinter ihm.
      Lucifer trug ein Gewand, das dem eines Königs gleichkam und so benahm er sich auch. Er ging, als wären alle anderen Anwesenden nur Dreck unter seinen Schuhen, und er ließ sich eine lange Schärpe von einem kleinen Jungen nachtragen, der ihm auch den Stuhl vorzog und wartete, bis sein Herr saß. Allerdings sah Tuomas, dass niemand so wirklich auf ihn achtete, denn aller Augenmerk ruhte auf ihm – Sol, der am Tisch vorbei ging und zu Tuomas’ linken am Kopfende des Tisches Platz nahm.
      Er seufzte. „Wir sind zu einem Ergebnis gekommen“, sagte er und sah in die Runde. „Und ich brauche euer aller Hilfe dafür. Alleine kann ich das nicht, und Gäa wird sich aus all der Sache heraushalten. Ich möchte, dass ihr mir den Gefallen tut.“
      „Warum?“, fragte Sirius kopfschüttelnd. „Es ist doch unsinnig, die Stärkste von uns...“
      Sol starrte ihn an, und Sirius sank in sich zusammen wie ein Wurm.
      „Gäa hat eine Aufgabe, die sie zu erfüllen hat“, hörte Tuomas sich zu seiner Überraschung sagen – aber es war nicht er, der sprach, sondern Mane. Jetzt verstand er erst. Er sah das Geschehen durch Manes Augen.
      „Sag uns endlich, zu welchem Ergebnis du gekommen bist“, wandte irgendwo jemand ein.
      Sol seufzte schwer und massierte sich das Nasenbein. „Ich werde mich versiegeln lassen“, sagte er. Ein Raunen ging durch die Menge.
      Sirius sprang auf. „Bist du verrückt geworden? War das Lucifers Idee? Sol, das kannst du nicht machen!“
      Sol winkte müde ab. „Es war meine Entscheidung. Gäa kann ich das unmöglich auferlegen, ihr seid alle zu schwach oder zu wenig standhaft...“
      Die Frau Mane gegenüber schlug hart auf den Tisch. „Ich könnte diese Aufgabe jederzeit bewältigen!“, rief sie. Es war einen Moment lang still, alle Anwesenden sahen betreten auf die Tischkante.
      „Mars“, murmelte Sol. „Ich lobe mir deinen Mut und deine Aufopferungsbereitschaft, aber das hilft uns auch nicht weiter. Die einzigen, die diese Aufgabe bewältigen könnten, wären Gäa, Lucifer oder ich.“
      „Warum dann du und nicht Lucifer?“, fragte Sirius verärgert. „Ihn würden weniger vermissen als dich.“
      Ein leises, spöttisches Lachen ging durch die Reihen, nur Sol sah ernst und müde aus. „Es gibt Gründe“, sagte er. „Ich werde als Siegel fungieren. Das ist meine Entscheidung. Akzeptiert sie.“
      Es war wieder still. Der Schock und die Überraschung dieser Entscheidung war allen anzusehen. Irgendwo weiter hinten weinte eine Frau. Sirius neben Mane sah wuchsteufelswild und ratlos aus.
      Er begehrte wieder auf. „Was, wenn das Siegel bricht?“, fragte er. „Was, wenn irgendetwas dazwischen kommt, wenn das Chaos stärker ist als du?“
      „Dieser Fall steht außer Frage“, sagte Sol und lehnte sich zurück, nahm die Krone ab und stellte sie vor sich auf den Tisch. Kleine, goldene Kettchen klimperten leise. „Wenn das Siegel bricht, bin ich wieder frei und kann erneut eingebunden werden. Aber dazu brauche ich eure Hilfe.“
      „Dann komme ich mit dir!“ Sirius bereute sofort, was er gesagt hatte, und biss sich auf die Unterlippe. Der Blick aus Sols schwefelgelben Augen war stechend und schien seinen Kopf zu durchbohren.
      „Das bringt nichts“, sagte er. „Du bist zu schwach.“
      Das saß, Sirius zuckte zusammen. Aber er ließ sich nicht abbringen. „Nicht als Siegel des Chaos“, sagte er. „Als
      dein Siegel! Ich werde mich auch einsperren lassen. Niemand von uns kann garantieren, dass wir es merken würde, wenn das Siegel bricht. Aber wenn man mich mit dir verbindet, haben wir eine Absicherung. Dann sind wir nicht vollkommen ahnungslos!“
      Sol rieb sich das Kinn. „Eine Absicherung also?“, fragte er. „Das ist nicht dumm. Ich gebe dir zeit, deinen Beschluss zu überdenken. Die Versammlung ist hiermit aufgehoben. Ich werde euch informieren lassen, wenn es Neuigkeiten gibt.“ Er wandte sich zu Mane zu seiner Rechten. „Mane, es liegt an dir, Gäa diese Nachricht zu überbringen. Ich glaube, mir würde sie den Kopf abreißen.“ Er lächelte ein bisschen.
      „Du handelst egoistisch“, sagte Mane ruhig. „Aber wahrscheinlich ist es die einzige Möglichkeit, die du hast.“ Er stand auf und verließ den Raum.
      „Mane?“, sagte Sol noch. Mane drehte sich nicht um, blieb aber stehen. „Pass auf Gäa auf, wenn ich nicht mehr da bin. Das war ein Befehl. Du kannst gehen.“
      Mane ging. Sol blieb alleine zurück.

      Tuomas öffnete die Augen. Mane kniete über ihm. „Wieder bei uns?“, fragte er. Tuomas sagte irgendwas und war sich nicht sicher, ob es ein Stöhnen gewesen war oder ein Fluch. Vielleicht beides.
      „Was zum Henker war das?“, murmelte er und setzte sich auf, fasste sich an den Kopf. Er sah sich um. „Was zum Henker ist das?!“
      Er kam auf die Füße. Vor ihm war eine Tür, ohne Ende und ohne Anfang. Er lehnte den Kopf in den Nacken und sah nach oben, aber der Türrahmen war nirgends in Sicht. Dann sah er nach unten und musste feststellen, dass er mitten im Nichts stand und auch nach unten hin nicht zu sehen war, wo die Tür endete.
      Über die Tür war eine Kette aus Leiber geschlungen. Tuomas konnte Arme erkennen, Beine, Köpfe, Rümpfe. Nicht alle waren menschlich. Manche zuckten spastisch. Tuomas keuchte und hielt sich eine Hand vor den Mund, kämpfte den Drang nieder, sich zu übergeben.
      Mane sah grimmig aus, was sich nur in einem ganz leichten Runzeln der Stirn zeigte. Seine Haut schien im Mondlicht silbern zu schimmern, obwohl der Mond nicht schien. Es gab nicht einmal einen Himmel. Sie standen einfach in der Endlosen Schwärze.
      „Hier gehörst du hin“, sagte Mane. „Genau dorthin.“ Er streckte einen Finger aus. Irgendwo inmitten der wild miteinander verflochtenen Körperteile war eine winzig kleine Lücke. Schatten drangen daraus hervor, langsam und träge, aber unablässig. „Das ist dein Platz in diesem Universum.“
      Tuomas gab nach und erbrach.

      Wird fortgesetzt.



      Bereitet euch darauf vor, dass der nächste Absatz direkt hieran anschließt. Das geht jetzt alles ruckizucki. xD;

      Kritik bitte. ^^
      Næhmachinery
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    • Ich finde die Lösung eigentlich ganz gut so von wegen Melodie und dann einen dadurch hervorgerufenen Flashback. Auch, dass Tuomas alles durch Manes Augen sieht ist mal was Anderes.

      Insgesamt mag ich es, was kleines, das mich noch gestört hat:

      „Gäa?“, weinte Vanessa.


      Weinen und sprechen sind zwei verschiedene Handlungen meines Erachtens nach. ^^; Sie weint die Frage ja nicht, sie fragt sie/spricht sie. Hoffe, du weißt, was ich meine ._.

      Ansonsten hab ich jetzt bis aufn paar Tippfehler nichts anzumerken von meiner Seite aus.

      Au revoir
      Taya

      Always
      I wanne be with you
      And make believe with you

      [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/4391/robotunicornattack238ks.jpg]
      And live in
      HARMONY HARMONY
      OH LOVE



    • Original von Clemo
      Man weiß normal bis durchschnittlich viel von Vanessa und auf einmal KLATSCH offenbart sich gleich ein Großteil ihrer Vergangenheit und sofort darauf folgt auch noch die Aufklärung darüber, dass sie Gäa ist.

      Allerdings würde ich fast darum wetten, dass die meisten Leser es als zu sehr in die Länge gezogen empfinden würden, wenn man die Dinge ganz behutsam Stück für Stück aufklärt. Zumal ja der ganze Konflikt, einmal ins Rollen gekommen, logischerweise mit immer größerer Geschwindigkeit vonstatten geht.

      @Absatz:
      Nun ja, Flashbacks sind immer so eine Sache... innerhalb von Storylines, in denen ein Charakter an seine Vergangenheit erinnert werden muss, sind sie eigentlich kaum zu vermeiden und treten, wenn auch manchmal in veränderter Form, so gut wie immer auf.
      Dieses Exemplar hier halte ich definitiv für eines der gelungeneren; speziell deshalb, weil Tuomas den ganzen Ablauf eher passiv miterlebt und sich so ein gutes Bild von der Konstallation der Figuren (bzw. Sterne, was auch die Verwendung des Wortes Konstallation rechtfertigt xD; ) machen kann - ebenso geschieht auch dem Leser.
      Nun, bis zum Ende des Flashbacks habe ich im Grunde keine Beschwerden, es ist in sich geschlossen und verrät genug, um zu wissen, was jetzt in etwa folgen wird. Deine Beschreibung der Tür musste ich zwar dreimal lesen, um ein vernünftiges mentales Bild davon vor Augen zu haben, aber irgendwie erinnert sie mich unweigerlich _sehr_ an die Tür am Ende von Kingdom Hearts. xD; Was keine Kritik sein soll, sondern höchstens an meinen verqueren Gedankengängen liegt. Den letzten Satz halte ich für viel zu abrupt, um mit ihm einen Absatz zu beenden. Zumal ich gehofft habe, endlich mal etwas lesen zu können, wo sich der Hauptcharakter nicht irgendwann übergibt. Den Eindruck, den Tuomas von seinem "schönen" Platz im Universum spontan haben muss, mag zwar durchaus wenig erfreulich sein, aber das halte ich als Reaktion doch irgendwie für leicht überzogen. ôo
      Nun ja, zu den Charakteren... Mane ist der einzige, der den Überblick über die Situation, insofern bleibt wohl kaum eine andere Möglichkeit, als dass niemand anderes als er Sol endgültig über seine wahre Identität aufklärt. Zwar keine besonders einfallsreiche Methode, aber von Mane erwarte ich eh nicht besonders viel Kreativität, nachdem er Gäa x Jahre lang durch die Weltgeschichte begleitet und sonst nichts gelernt hat. ^^;
      Ich persönlich freue mich, wie sicherlich schon mal erwähnt, sehr auf die kommenden Absätze. Endlich kommt das Ganze so richtig in Fahrt, darauf habe ich seit dem Prolog gewartet (ja, ich lese die meisten guten Stories nur, um das Finale verstehen zu können... xD). Ahem.

      Auf jeden Fall fände ich es sehr dufte, schnell den nächsten Teil zu Gesicht zu bekommen, weil meine Lesegier bezüglich Sol & Co. derzeit verdammt hoch ist.

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    • Oh, imho passt das eigentlich so. ^^ Ich würde zwar ein, zwei Absätze mehr einbauen - und zwar genau dann, wenn Mane zu Tuomas geht und nachdem die Rückblende vorbei ist - aber sonst kann ich nicht wirklich etwas daran bemängeln...

      Vielleicht nur ein, zwei Kleinigkeiten, die rein persönliche Meinung sind.

      Die Kette aus Leibern wirkt für meinen Geschmack etwas unpassend. Also, ich bin der letzte, der eklige Dinge zu bemängeln hat. xD Aber da wirkte es... komisch. oO Es sind ja Sterne, um die es hier geht, keine Zombies. ^^" Wie gesagt, hat mich nur etwas stutzen lassen. ^^"
      Un das zweite... in der Rückblende kommt mir der Entschluss etwas zu schnell - so etwas Wichtiges müsste doch eigentlich länger besprochen werden, vor allem von Sternen. ^^ (Wenn man bedenkt, wie lange ein Entthing dauert... *g*)


      Ansonsten find ichs sehr toll gelungen - jetzt wirds spannönd. X3

      EDIT: Oh, okay, den ersten Absatz muss ich übersehen haben. xD


      (Ja, man kann draufklicken)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ulyaoth ()

    • Original von Ulyaoth
      Die Kette aus Leibern wirkt für meinen Geschmack etwas unpassend. Also, ich bin der letzte, der eklige Dinge zu bemängeln hat. xD Aber da wirkte es... komisch. oO Es sind ja Sterne, um die es hier geht, keine Zombies. ^^" Wie gesagt, hat mich nur etwas stutzen lassen. ^^"

      a) Aus was sollte ein Sigel, in dem auch Tuomas/Sol schon gesteckt hat (wie mehrmals erwähnt wurde) sonst bestehen?
      b) Es sind nicht nur Siegel dieses Universums, also nicht nur Menschen, wie auch erwähnt wurde.
      c) Wie lebendig würdest du dich fühlen, wenn du seit mehreren Ewigkeiten da hängst? Lebendig?

      Un das zweite... in der Rückblende kommt mir der Entschluss etwas zu schnell - so etwas Wichtiges müsste doch eigentlich länger besprochen werden, vor allem von Sternen. ^^ (Wenn man bedenkt, wie lange ein Entthing dauert... *g*)

      Eigentlich ist meiner Meinung nach klar geworden, dass der Entschluss nicht "spontan" war. oO
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    • Ich gebe dir zeit, deinen Beschluss zu überdenken.

      Zeit groß, würde ich mal schätzen ^^

      Jo, ansonsten gefällt mir der Teil, auch wenn ich - zugegeben - ein paar leichte Vorstellungsprobleme mit der Tür hatte (aber das liegt nicht an Dir, sondern eher daran, dass ich von endlosen Sachen regelmäßig Kopfschmerzen bekomme XD ).

      Okay, also, dann warte ich mal gespannt auf eine Fortsetzung ^^
    • Original von FoWo
      a) Aus was sollte ein Sigel, in dem auch Tuomas/Sol schon gesteckt hat (wie mehrmals erwähnt wurde) sonst bestehen?
      b) Es sind nicht nur Siegel dieses Universums, also nicht nur Menschen, wie auch erwähnt wurde.
      c) Wie lebendig würdest du dich fühlen, wenn du seit mehreren Ewigkeiten da hängst? Lebendig?


      Na ja, sie nehmen ja nur manchmal menschliche Gestalt an, da ging ich davon aus, dass die ihre Erscheinung nicht gerade mitnehmen, wenn sie sich versiegeln lassen... ja, aber die Erklärung akzeptiere ich schon, war ja mit Sirius genauso. ^^

      Eigentlich ist meiner Meinung nach klar geworden, dass der Entschluss nicht "spontan" war. oO


      Ja, der Entschluss nicht, und inhaltlich habe ich auch gar nix zu bemängeln, es kam mir beim Lesen halt nur so vor, als liefe es zu reibungslos ab. Lucifer hat ja auch ziemlich seine Klappe gehalten... eben, ich war nur etwas stutzig dabei, sonst nichts. ^^


      (Ja, man kann draufklicken)
    • So da ich lang nicht mehr hier reingeschat haben *mich selbst hau*, habe ich noch was zu einem der vorherigen Abschnitte zu sagen, vobei es auch um "Vanessas Gebären mehrerer Kinder" geht... In einem der ersten Abschnitte heißt es doch das sie schon soviele Abtreibungen hinter sich hatte und eine mehr oder weniger auch nicht mehr auffallen würde. Jetzt heißt es sie ist Mutter von mehreren Kindern. Das ist imo ein Lokikfehler, alleine schon weil es gar nicht zu Gäa passt abzutreiben.

      Das mit den Siegeln fand ich auch etwas komisch, da ich keine große Tür erwartet hatte, und weniger Siegel (waren das überhaupt alles Siegel oO) *nochmal die letzten Post nachles* (Sind jetzt die öhmn.. Gestallten die Siegel oder die Tür selbst xD;; )
      Yeah! Verwirrtes Tet :3
    • Boah ist das widder lang her...

      @ Tetra: Ja, das mit Vanessas Geburten/Abtreibungen war mir auch aufgefallen, ich hab's aucg verbessert, aber danke für's Mitdenken ^^
      Was das mit der Tür betrifft: ja, es ist eine Tür, und ja, jeder Körper daran ist ein Siegel. ^^ Aber das kommt noch früh genug... :3

      [...]
      Vanessa saß in sich eingesunken auf einem weich gepolsterten Stuhl. Acrux stand am Fenster und rauchte. Es war schwer zu sagen, wer mehr Angst vor dem anderen hatte.
      Lucien saß hinter seinem Schreibtisch, die Beine überschlagen, die Fingerspitzen aneinandergelegt und betrachtete Vanessa mit leicht gekräuselten Lippen.
      „Das ist in der Tat ein sehr interessanter Lebenslauf“, sagte er nach einer Weile Stille, nachdem Vanessa aufgehört hatte zu sprechen. Er hatte sie nach allem befragt, von ihren familiären Umständen bis hin zu ihrem Liebesleben und ihre Meinung über Tierversuche. „Wirklich sehr interessant. Schade nur, dass du dich offenbar an wirklich gar nichts erinnerst, aber vielleicht kommt das ja noch. Und selbst wenn nicht, mir soll es gleich sein. Je weniger du deine Kräfte benutzen kannst, desto weniger kannst du mir in die Quere kommen. Acrux?“
      Acrux zuckte zusammen, nahm die Zigarre aus dem Mund und drehte sich halb um. „Ja?“, fragte er und klang nicht sehr erfreut, dass man ihn an seine Anwesenheit erinnerte.
      „Bring unseren Besuch auf ein freies Zimmer. Und sieh zu, dass sie nicht abhaut. Ihr könnt euch um sie kümmern, bis Sol sich zeigt.“ Lucien wedelte träge in Richtung der Türe. „Und dann ist es Zeit für meinen Tee.“
      „Wie du wünschst, Lucifer“, sagte Acrux, stieß sich vom Fenster ab und nickte Vanessa zu, die vom Sessel rutschte und dann vor Acrux Luciens Zimmer verließ.
      Draußen warteten in Form von schwarzem Nebel die Erloschenen. Vanessa schauderte, als sie in die dunkle Kälte eintauchte, die schlimmer war als Acrux’ Zigarrenrauch. Vanessa wagte nicht einmal zu atmen, denn wenn die Erloschenen um sie herum waren, fühlte es sich an, als würde man seine Lungen mit Eis füllen.
      Sie hat sich wirklich kaum verändert, flüsterte Suhail Hadar. So wunderschön.
      Willst du speichellecken, so wie früher? Wie armselig!
      , zischte Ras Alhague verächtlich. Nicht einmal jetzt kannst du dir Würde bewahren! Du bist wirklich eine Schande.
      Als Erloschener Würde bewahren zu wollen ist um einiges armseliger
      , murmelte Yed Prior von irgendwo. Es klang, als sei er weit entfernt. Erst seine Stimme erinnerte seine zwei Gefährten daran, wie sie bald enden würden, und die Erloschenen hüllten sich wieder in Schweigen.
      Vanessa sah unsicher zu Acrux zurück, der mit leerem Blick hinter ihr ging. Wenn er die Stimmen auch hörte, ließ er sich nichts anmerken.
      Lucifers Herrenhaus mit seiner altertümlichen, protzigen Einrichtung aus Holz und Marmor war wie ein Traum, an den Vanessa sich später kaum erinnerte. Niemand lebte in diesem Haus, in das mehrere Familien und Personal gepasst hätten. Vanessa hatte manchmal das Gefühl, dass dieses Haus eigentlich leer stehen sollte und baufällig war. Alles, was prachtvoll und edel und teuer wirkte, war mehr wie eine Erinnerung oder eine Ahnung davon, wie es wohl früher einmal gewesen war. Es war das reinste Geisterhaus.
      Acrux führte sie Treppen hinauf und durch viele Flure und große Zimmer. Irgendwann blieb er vor einem Zimmer am Ende eines Ganges stehen und schob die Tür auf, ohne die Klinke zu benutzen. Leide klackend öffnete sich das Schloss und gab den Blick frei auf einen kleinen Raum mit einem hohen Himmelbett, das hinter einem schweren Vorhang aus dunkelroten Samt verborgen blieb. Der Teppich war schwer und staubig, der Schrank gegenüber des Bettes massiv und schwarz und furchteinflößend. Auf den gewaltigen Türen war ein Blumenmuster eingeschnitzt, das aber viel mehr verwelkt als frisch wirkte. Es gab kein Fenster in diesem Raum, nur einen Kamin, dessen Feuer aber lange verloschen war.
      „Das wird dein Zimmer sein“, sagte Acrux und schob Vanessa leicht mit einer Hand über die Schwelle, weil Vanessa sich nicht bewegt hatte. „Keine Sorge, lange wirst du hier eh nicht bleiben müssen. Suhail Hadar wird auf dich aufpassen. Wenn etwas ist, wende dich an sie...“
      Vanessa wollte etwas sagen, aber Acrux hatte schon die Türe wieder zugezogen. Vanessa griff nach der Klinke, aber er hatte die Tür abgeschlossen. Sie hörte ganz leise, wie sich seine Schritte entfernten. Es war stockdunkel im Raum.
      Und dann begann sie zu weinen. Sie setzte sich auf den Teppich und vergrub das Gesicht in den Händen.
      Sie hatte Angst vor Lucifer, fühlte sich verloren und alleine, aber am schlimmsten war ihre Verwirrtheit. Sie wusste nicht, was um sie herum passierte, was man von ihr wollte, und obwohl Lucifer ihr bruchstückhaft erklärt hatte, was vor sich ging, konnte oder wollte Vanessa es nicht glauben. Sie wollte zurück zu Tuomas, sich bei ihm entschuldigen, ihm Kaffee machen und zusehen, wie er mit leerem Blick vor sich hinstarrte, wenn er am Küchentisch saß und rauchte. Sie vermisste ihn.
      So blieb sie eine Weile sitzen, bis sie sich beruhigt hatte. Dann irgendwann nahm sie einen leichten Luftzug wahr, und an der stechenden Kälte in ihren Lungen erahnte sie, dass sie nicht allein war.
      „Wer bist du?“, fragte sie schwach.
      Mein Name ist Suhail Hadar, erklang es mitleidig neben ihr. Du kennst mich nicht. Du hast mich nie gekannt. Ich war schon immer unwichtig.
      „Ich habe das noch immer alles nicht verstanden“, flüsterte Vanessa leise. „Ich hab keine Ahnung, wovon er spricht. Bis heute Morgen war mein Leben total normal und mein größtes Problem war Tuomas, und jetzt hab ich so einen Irren an der Backe kleben. Ist der irgendwo entlaufen?“ Es war so dunkel, sie hatte Angst. Sie kauerte sich mehr zusammen und legte die Stirn auf die angezogenen Knie.
      Lucifer weiß mehr, als er sollte. Oder er glaubt mehr zu wissen, sagte Suhail Hadar leise. Ich vertraue ihm nicht, denn er ist besessen. Und ich weiß, dass ich das nicht denken sollte, aber für mich ist es eh zu spät.
      „Aber du bist wirklich da, ja? Ich werde nicht langsam wahnsinnig oder so.“ Vanessa wedelte ein bisschen durch die Luft, denn das Atmen schmerzte ihr in der Brust. „Nicht, dass ich jetzt wirklich irgendwie mit dem Nichts rede oder so.“
      Das tust du, auf eine bestimmte Weise, sagte Suhail Hadar leise neben ihrem Ohr. Ich bin Nichts.
      Vanessa fragte nicht nach, aber der kalte Hauch an ihrer Haut rannte ihre Wirbelsäule hinab und ließ sie zittern. Sie stemmte sich hoch und tastete blind nach der Türe. Jetzt, wo ihre Augen an die Dunkelheit etwas gewöhnt waren, sah sie durch das Schlüsselloch ein wenig Helligkeit fallen. Sie lugte in den Flur, sah aber nichts außer des Ganges. Alles war ruhig, selbst Suhail Hadar war in melancholische Stille oder Selbstmitleid verfallen.
      Vanessa drückte die Klinke nach unten und rüttelte an der Türe. Dann zog sie eine kleine Haarklammer aus ihren schwarzen Locken und fing an, im Schlüsselloch herumzustochern, allerdings ohne Erfolg.
      Vanessa schnaubte leise. Wie oft war sie schon ausgebrochen, wenn ihr Vater sie damals auf ihr Zimmer gesperrt hatte? Da würde sie das hier auch noch hinbekommen.
      Sie fixierte den dünnen Lichtstrahl des Schlüsselloches mit den Augen, um sich zu orientieren, und ging langsam rückwärts. Ein, zwei, drei... Sechs Schritte lang war das Zimmer. Vanessa atmete tief durch und rannte dann direkt gegen die massive Holztüre.
      Sie stolperte zurück und landete ungalant auf dem Hintern. Ihre Befreiungsaktion hatte ihr nichts gebracht außer Schmerzen und nur noch mehr Frustration.
      Das bringt dir nichts, murmelte Suhail Hadar von irgendwo leise. Wahrscheinlich ist das Schloss zusätzlich versiegelt. Schon dich lieber.
      Vanessa schluckte wütend ihre Tränen herunter und rieb sich die pochende Schulter. Der Schmerz war furchtbar und einen Augenblick lang fürchtete sie, sich die Schulter gebrochen zu haben, denn egal, wie sie sich bewegte, alles zog. Sie blieb sitzen und wiegte sich leicht vor und zurück, rieb sich mit der linken Hand über Arm und Schulter und jammerte leise. Nach einer Weile merkte sie, dass sie die Gelenke wieder bewegen konnte und richtete sich erleichtert wieder auf, schüttelte den Arm aus.
      „Ich komme hier raus, und wenn es das Letzte ist, was ich tue!“, zischte Vanessa und trat mit voller Wucht mit ihren schweren Stiefeln gegen das Schloss, wieder und wieder, bis sie merkte, dass ihr heiße Tränen wieder über die Wangen liefen und von ihrem Kinn tropften. Sie zog geräuschvoll die Nase hoch und trat ein letztes Mal gegen das störrische Schloss, dass die Tür in den Angeln wackelte. „Scheißdreck!“, schimpfte sie und griff nach der Türklinke, drückte sie nach unten und stemmte sich mit allem Körpergewicht, das sie aufbrachte, gegen die Türe. „Komm schon“, presste sie mit zusammengebissenen Zähnen hervor und schloss die Augen. „Geh auf... Komm schon...“
      Plötzlich knackte und raschelte es, das Schloss zersprang. Vanessa fiel ein weiteres mal zurück auf den Boden und blinzelte im Licht, als die Türe aufschwang. Dann sah sie überrascht auf die Türklinke, die sie noch in der Hand hielt, und dann hinauf zur Türe, in deren alten Holz ein großes Loch war, als wäre es schon morsch gewesen und man hätte die Klinke ohne weitere Anstrengung herausbrechen können. Allerdings war die Türe bis eben noch vollkommen massiv und schwer gewesen, wie der Schmerz in ihrer rechten Körperhälfte Vanessa erinnerte.
      Trotzdem kam sie auf die Füße und lugte in den Flur. Niemand zu sehen.
      Oh nein, tu das nicht, das ist gar nicht gut!, erklang Suhail Hadars alarmierte Stimme irgendwo aus der Dunkelheit. Du machst dich nur unglücklich, bleib lieber hier...
      Aber Vanessa war schon im Flur verschwunden. Leider musste sie schon an der ersten Gabelung feststellen, dass sie keine Ahnung hatte, welchen Weg sie eben gegangen war, um herzukommen, aber alles war besser, als in diesem dunklen Raum mit einer körperlosen Stimme festzusitzen. Sie drehte sich nach links – und machte auf der Hacke kehrt und wollte weglaufen, aber Lucretia war schneller und packte sie mit ihrem unerbittlichen Griff am Handgelenk.
      „Na, na, na“, tadelte sie mit einem bitterbösen Lächeln. „Wo wollen wir denn hin, meine Schöne. Etwa ausbrechen? Das gehört sich aber gar nicht.“
      „Lass mich los!“, rief Vanessa und zerrte wie besessen an ihrem Handgelenk, bis ihre Schulter protestierend knackte.
      „Oh nein, meine Liebe, du bleibst schön hier!“, sagte Lucretia und schleifte Vanessa hinter sich her den Gang entlang. „Erstaunlich, dass du die Tür aufbrechen konntest, ich hatte...“ Sie hielt inne, als sie die ramponierte Tür sah. Sie hatte alles erwartet, aber nicht, dass Vanessa die Klinke herausgerissen hatte. „Wie bei allen...“, murmelte sie. „Wie hast du das... Was zum...“
      Vanessa witterte in Lucretias Unsicherheit einen Trumpf. „Lass mich los, oder ich tu es noch mal!“, flüsterte sie und versuchte, so überzeugt von sich wie möglich zu klingen.
      Leider erntete sie nur Gelächter. Lucretia zog sie zu sich und starrte ihr in die Augen, bis Vanessa das Gefühl hatte, sie müsse erblinden. „Oh Gäa, süße, kleine Gäa, du Dummerchen“, schnurrte Lucretia und strich Vanessa über die Wange und die halb geöffneten Lippen. „Erstens würdest du es nicht ankündigen, würdest du das tun, und zweitens kannst du es nicht mal tun. Du hast keinerlei Erinnerungen, nicht wahr? Wie willst du also deine Kraft anwenden?“
      „Du hast gesehen, dass ich es kann!“, schrie Vanessa ihr ins Gesicht und wusste, dass sie zu hoch pokerte. „Lass mich gehen, oder...!“
      „Oder?“, hauchte Lucretia. Vanessa kniff die Augen zusammen und schrie auf und packte nach Lucretias Gesicht. Sie wollte sie von sich stoßen, um diesem Blick zu entkommen, der ihr bis in die Schädeldecke sah – und war überrascht, als sie auf einmal auch Lucretia aufschreien hörte.
      Vanessa blinzelte leicht durch ein Auge und erschrak. Ihre Finger umkrallten Lucretias Gesicht wie die Fänge eines Raubvogels und die Fingernägel waren so tief in ihrem Fleisch verkeilt, dass Blut darüber rann. Aber viel schlimmer als das war, was mit Lucretias Körper zu geschehen schien: Das Leben schien in Richtung von Vanessas Finger daraus zu schwinden. Lucretias makellose, straffe Haut fiel in sich zusammen, wurde grau und runzelig. Ihr golden schimmerndes Haar verlor alle Farbe, würde spröde und weiß, über ihre stechenden, blauen Augen legte sich ein milchiger Schleier und ließ ihren entsetzten Blick entrückt und verwirrt aussehen. Lucretia schrumpfte unter Vanessas Fingern zu einer alten Frau, siebzig Jahre alt, achtzig, hundert. Und weder sie noch Vanessa selbst konnte es verhindern.
      „Lass mich los!“, krächzte Lucretia. Da war nichts mehr von ihrer Schönheit und Kraft übrig geblieben. „Lass mich... los!“
      „Ich kann nicht!“, rief Vanessa entsetzt. „Ich kann nicht!“
      Und erst, als Lucretia kraftlos zu Boden fiel, konnte Vanessa ihre Finger aus ihrem leblosen Leib lösen.
      Atemlos und zittern blickte sie auf den greisen Körper zu ihren Füßen hinab und fühlte sich so lebendig wie nie zuvor. „Oh mein Gott“, sagte sie und starrte auf ihre Finger, in denen sie das Leben geradezu sehen konnte. „Oh mein Gott.“


      Wird fortgsetzt.
      Næhmachinery
      Premonitions in the rising wind; tonight the stars will fall.
      The world in a cyclone, pouring out.
      No escape, but hey, who cares? Just go with the flow.
    • Das mit der Schulter hast du ja gut ausgebessert, wie ich finde, jetzt kommt der Schmerz doch besser rüber, als vorher ^^

      Und das am Ende mit Lucretia mag ich wirklich sehr, vor allem erst ihren Übermut und dann aber die Erkenntnis, dass Vanessa doch zu so etwas in der Lage ist (mehr oder minder absichtlich xD). Auch die Beschreibung wie sie altert, finde ich sehr schön (sowas ist ja auch nicht immer so einfach).

      Gut gemacht :3 *lasagne hinstell*

      Au revoir
      Taya

      Always
      I wanne be with you
      And make believe with you

      [Blockierte Grafik: http://img408.imageshack.us/img408/4391/robotunicornattack238ks.jpg]
      And live in
      HARMONY HARMONY
      OH LOVE



    • Ihr seid LANGSAM.


      [...]
      Sie blieb eine Weile stehen und fühlte sich mit jedem Herzschlag kräftiger. Es war, als wäre sie von einer langen Krankheit endlich wieder gesund aus dem Bett aufgestanden und konnte das erste mal wieder von allein atmen. Es schien ihr, als könne sie besser sehen und riechen und nahm auf einmal alles in ihrer Umgebung besser wahr – und deswegen merkte sie, dass Lucifers ganze Villa aus nichts weiter bestand als Schatten. Sie atmete trockene, verbrauchte Luft, wie auf einem alten staubigen Dachboden.
      Ungerührt ließ Vanessa den leblosen Körper mitten im Flur liegen und ging wie im Traum die Flure entlang. Irgendwann traf sie auf Acrux, der vor ihr zurückwich, aber sie ging einfach an ihm vorbei, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen.
      Sie folgte einem leichten, fast nicht vorhandenem Luftzug, der ihr sagte, wo die Natur war. Sie schritt durch Flure und Zimmer, bis sie endlich in der großen Eingangshalle angekommen war und die mit einem Samtteppich ausgelegte Haupttreppe hinabstieg, den kalten Marmorboden überquerte und dann die schwere Eingangstür aufstieß.
      Kühle Spätsommerluft schlug ihr entgegen wie eine Wand, und Vanessa seufzte erleichtert. Denn obgleich sie riechen konnte, wie sehr die Umweltverschmutzung die reine Luft verdreckt hatte, war da noch immer der würzige Geruch von Bäumen, die ihre kaum zu schaffende Arbeit zwar unermüdlich, aber mit immer weniger Kraft erledigten.
      Vanessa sah zu, wie die Wolkendecke über ihr aufriss und die Sonne freigab, die sie golden und wärmend beschien. Sie beobachtete eine Fliege, die dicht an ihren weit geöffneten Augen vorbeisummte. Sie hörte die Vögel zwitschern. Irgendwo in den Büschen huschte ein Eichhörnchen einen Baum hinauf. Blätter raschelten.
      Noch war ihre Welt nicht ganz zerstört. Und nun, wo sie wusste, dass alles in ihren Händen lag, nahm sie sich vor, alles zum Guten zu führen.
      Sie warf einen Blick zurück über die Schulter. Acrux und die Erloschenen waren ihr mit einigem Respekts- und Sicherheitsabstand gefolgt. Als er sah, dass sie ihn ansah, schrak er wieder zurück, aber Vanessa lächelte.
      „Keine Angst“, sagte sie zärtlich, drehte sich langsam wieder um und ging auf ihn zu. Obwohl Acrux fast doppelt so groß war wie sie, war doch Vanessa diejenige, die viel größer und mächtiger erschien und Acrux zog vorsichtig den Kopf ein wenig zwischen die Schultern. Die Schatten der Erloschenen wichen vor ihr zurück, als sie die Hand nach ihm ausstreckte. „Keine Angst“, sagte sie wieder leise. „Du hast keine Schuld an dem, was passiert. Es ist alles Lucifers Werk, und ich weiß das. Es war die Dunkelheit, die dir das angetan hat.“ Und dann nahm sie sanft sein Kinn in ihre schlanken Finger, zog ihn zu sich herab und küsste ihn sachte auf die Lippen. Acrux stand wie versteinert, stieß sie nicht von sich, erwiderte den Kuss aber auch nicht.
      Ein leises, einsaugendes Geräusch erklang, und als Vanessa sich wieder von ihm löste, schluckte Acrux – und merkte, dass irgendetwas anders war. Irgendetwas fehlte ihm, und er sah an sich hinab, auf seine Hände, aber alles schien noch wie vorher. Dann blickte er zu Vanessa, die nur lächelte und die Hand nach den Erloschenen ausstreckte.
      „Ich weiß, ich darf das nicht tun, denn eigentlich soll jedes Lebewesen seine eigene Zeit haben“, sagte sie leise, als ihre Hand in die Dunkelheit getaucht war. „Aber ihr seid so voller Zweifel, dass ihr nicht einmal in Frieden erlöschen könnt. Yed Prior, das einzige, was dich hier hält, ist deine Unsicherheit. Keine Angst – es ist nicht so schlimm, wie du befürchtest.“ Sie lächelte.
      Es war kurz still, und dann wurde die Dunkelheit etwas lichter, Stückchen für Stückchen. Vielen Dank, erklang irgendwo Yed Priors hohle Stimme. Er sagte noch etwas, aber es war schon nicht mehr zu verstehen, und im nächsten Moment war er vollends erloschen.
      „Ras Alhague... Das einzige, was ich hier hält, ist Hass. Ich werde ihn dir nehmen, und dann kannst auch du in Frieden gehen.“ Vanessa lächelte noch immer leise und fixierte etwas, das niemand sehen konnte, in der Dunkelheit. Ihre Hand in der Wolke aus Schatten war mit der Fläche nach oben geöffnet.
      Was? Nein! Ras Alhague klang panisch. Nein, das ist es nicht! Gäa, du musst nicht... Wehe dir, wenn...! Nein!
      Vanessa schloss kurz die Augen, und dann verschwand auch Ras Alhague mit einem leisen Zischen.
      Acrux beobachtete das ganze mit weit geöffneten Augen. Als nur noch Suhail Hadar übrig war, machte er endlich einen Schritt vor. „Gäa“, sagte er. Seine Stimme klang belegt. „Ich... darf ich mich wenigstens von ihr... verabschieden, ehe du sie mir nimmst?“
      Vanessa lächelte etwas bitter. „Ich weiß, wie es ist, wenn man von seinem Liebsten getrennt ist“, sagte sie. „Es gibt keine schlimmeren Schmerzen auf dieser Welt als die Einsamkeit. Und das ist eine Wunde, die nicht einmal ich heilen kann. Suhail Hadar, alles, was dich hier hält... ist deine Liebe zu Acrux.“
      Acrux sagte nichts, er senkte nur den Blick.
      Es ist schon in Ordnung, erklang Suhail Hadars Stimme leise neben ihm. Ich wusste schon lange, dass dieser Moment kommen würde.
      Acrux schwieg weiter, er ließ nur den Kopf hängen und schloss dann die Augen als Vanessa langsam wieder die Hand hob und durch die Dunkelheit strich, die sie umgab.
      Die Schatten veränderten und verdichteten sich, schienen massiver zu werden und nahmen langsam Gestalt an. Es waren Arme und Beine zu erkennen, schließlich sogar ein Kopf und schwarzes Haar, weich und fein wie das einer Puppe.
      Acrux konnte Suhail Hadar gerade noch auffangen, als sie zu Boden fiel. Die Frau in seinen Armen war nackt und schneeweiß, als wäre sie seit Jahren nicht an der Sonne gewesen, und ihre Augen waren leer und dunkel, aber in ihrer Brust schlug ein Herz. Sie atmete – lebte.
      Acrux hielt sie fest, ganz fest, und strich ihr durch die Haare. „Aber... warum hast du...“, flüsterte er, doch Vanessa hatte sich schon umgedreht.
      „Ich finde Abschiede so traurig“, sagte sie leise. Sie winkte ab und verließ dann die Villa.
      Als sie draußen im Vorgarten stand, fühlte sie sich unglaublich befreit. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Das Gefühl, andere Leute glücklich zu mache, hatte sie schon immer am meisten geliebt.
      Vanessa lächelte, hackte die Daumen in die Gürtelschlaufen ihres schwarzen Minirockes und ging dann davon. Sie wusste nicht, wo sie war, oder wo Tuomas war, oder was überhaupt als nächstes geschehen sollte, aber sie wusste, es würde sich nichts ändern, wenn sie stehenblieb.
      Und unter ihren Füßen brachen kleine Gräser und knospen zwischen dem Straßenpflaster hervor.

      Lucretia holte röchelnd Luft, spie Schleim und Blut auf den Teppich und stemmte sich dann hoch. Ihre faltigen Hände zitterten, das bis vor kurzem wie aufgemalt passende weiße Jackett rutschte ihr von den schmalen, gebrechlichen Schultern.
      „Dieses Flittchen!“, krähte sie. „Hure! Was hat sie mit mir gemacht!“ Sie tastete nach der Wand und zog sich hoch. Ihre schwarzen Pumps waren ihr zu eng und sie trat sie wütend von den Füßen, während sie sich weiter an der Wand abstützte. Lucretia kniff die Augen zusammen, weil sie so schlecht sah, und humpelte vorwärts in das erstbeste Zimmer, das auf dem Weg war. Sie fand einen Spiegel, blicke hinein und konnte vor Entsetzen nicht einmal mehr schreien.
      Die Frau, die sie im Spiegel ansah, war nicht sie. Da stand eine Greisin!
      Sie tastete ihre faltigen Wangen ab, den schlaffen Busen und die dicken Oberschenkel. Sie betrachtete das lange, schlohweiße Haar und die milchigblauen Augen. „Was hat sie mir angetan?“, flüsterte sie. „Was hat sie mir angetan?!“
      Lucifer stützte sich am Spiegel ab und konzentrierte sich. Die Verwandlung in seinen eigentlichen Körper hatte ihn noch niemals so viel Anstrengung gekostet, jeder seiner Muskeln schmerzte wie im Krampf, als er sich veränderte. Sein goldenes und weißes Gewand war ihm zu groß, spannte aber am Bauch, sein Diadem schien zu eng geworden zu sein. Lucifer musste nicht in den Spiegel blicken, um zu wissen, dass sein langes, goldenes Haar an der Stirn schon licht geworden war und nichts mehr von seiner eigentlichen Farbe behalten hatte.
      Er war nicht mehr schön. Er war alt!
      Blind vor Wut und Verzweiflung fuhr Lucifer herum. Sie hatte ihm nicht nur seine Jugend und Schönheit geraubt, sondern ihm auch fast alle Energie genommen. Selbst das Atmen schien ihm schmerzhaft geworden zu sein, und er war sich sicher, dass von seinem einst gleißenden Licht kaum mehr als ein müden Glommen übrig geblieben war. Grimmig machte er einen Schritt und schloss die Augen, als er in die Schwärze fiel.
      Keuchend sah er sich in der Dunkelheit um, blickte die endlose Tür des Chaos hinauf. Das Siegel aus nackten Körpern schlang sich darüber und er meinte, das Stöhnen und Wehklagen der Versiegelten zu hören. Seit Anbeginn der Zeit waren sie hier versiegelt, und bis zum Ende aller Tage würden sie es auch bleiben. Lange würde es nicht mehr dauern, denn an der Stelle, wo das Siegel gebrochen war, quollen noch immer schwarze Schatten hervor wie ein Virus, der sich langsam in der Blutbahn verbreitete.
      Lucifers dürre, mit Alterflecken übersäten Finger krallten sich um den Stoff seines Gewandes. Er würde diese Welt nicht so verlassen. Nicht so.
      Er trat auf die Tür zu.

      Tuomas’ Haarschopf war selbst in der dichtesten Menschenmenge nicht zu übersehen. Vanessa rief seinen Namen und prügelte sich an den Menschen vorbei, egal wie viele sie dabei umstieß.
      Als Tuomas sie sah, kam er ihr entgegen, und sie fielen einander in die Arme und alles andere war egal.
      Vanessa presste ihr Gesicht an seine Halsbeuge, und er hatte die Arme fest um ihren schmalen Körper gelegt und hielt sie fest, strich ihr durch das lockige, schwarze Haar. Tuomas fiel eine ganze Gebirgskette vom Herzen, so erleichtert war er, sie unbeschadet zu sehen und Vanessa fing an zu weinen. All die Angst, die sie zwischenzeitlich gehabt hatte, ließ sie jetzt endlich los.
      „Mein Gott, ich hab mir Sorgen gemacht“, sagte Tuomas leise und schloss die Augen. „Tu so was nie wieder.“
      „Tut mir leid“, sagte Vanessa und lachte, obwohl ihr Tränen die Sicht nahmen. „Tut mir leid.“
      Mane kämpfte sich seinen Weg durch die Menge und sah für den Bruchteil einer Sekunde erleichtert aus, gewann sein Pokerface aber sofort wieder. „Gäa!“
      „Hmm?“, machte Vanessa überrascht, als Tuomas sie widerstrebend wieder losließ und sich zu seinen Begleitern umwandte. „Hey, warte mal. Du bist doch der Junge von heute Morgen!“ Mane verbeugte sich wortlos. „Was zum Henker hat denn das jetzt zu bedeuten?“, fragte Vanessa, als sie auch noch Sirius auf sie zukommen sah.
      „Ziemlich lange Geschichte“, sagte Sirius und rückte seine Sonnenbrille mit dem Zeigefinger zurecht. „Wichtiger ist momentan: Was ist mit Lucifer?“
      „Diesem komischen transsexuellen Schönheitsoperationenkatalogsmodell?“, fragte Vanessa düster. „Keine Sorge. Ich glaube ich habe ihn... umgebracht. Oder so.“
      Verblüffte Stille folgte ihren Worten, Mane, Sirius und Tuomas sahen einander über ihren Kopf hinweg an, dann zuckte Tuomas die Schultern und meinte: „Ich glaube nicht, dass man den so leicht los wird, der ist wie Kaugummi an der Schuhsohle.“
      „Es würde erklären, warum wir ihn auf einmal verloren haben“, sagte Sirius und rieb sich über das Kinn. Nachdem Tuomas Vanessas Fährte gefolgt war, hatten sie im näheren Umkreis auch Lucifers Gegenwart gespürt, obgleich er sich wirklich viel Mühe gemacht hatte, sich zu tarnen und sich nicht auf einen größeren Radius hin zu verraten. Und dann, von einem auf den anderen Augenblick, war seine Aura verschwunden.
      „Ich kann euch sagen, wo seine Villa steht“, wandte Vanessa hilfreich ein.
      „Okay, ich habe einen Plan!“, sagte Sirius und rieb sich die Hände.
      „Oh Gott, geht in Deckung“, kommentierte Tuomas trocken.
      Sirius überging ihn einfach. „Gäa sagt uns, wo Lucifers Villa ist und ich gehe zusammen mit Sol hin und zusammen nehmen wir uns den Spinner mal vor. Mane, du bleibst bei Gäa und weihst eise langsam und schonen in das ein, was sie erwartet.“
      Mane zeigte seine Begeisterung darin, dass er seine linke Augenbraue um einen Millimeter nach oben zog.
      „Erstens, Mane, bist du damals von Sol für diese Aufgabe eingeteilt worden, du erinnerst dich sicher“, knurrte Sirius, „und zweitens mag ich nicht so stark sein wie Sol, bin ihm aber noch immer von mehr nutzen als du. Was kannst du denn schon?“
      „Okay, streitet euch mal nicht“, sagte Tuomas, obwohl Mane so oder so über Sirius’ Anschuldigung stand. „Klingt nicht schlecht, und solange wir eh nichts besseres zu tun haben...“
      Mane zuckte die Schultern und wandte sich dann an Vanessa. „Kommst du mit mir?“, fragte er. „Du hast sicherlich viele Fragen.“ Vanessa nickte nur stumm mit großen blauen Augen und trat dann neben Mane, der zu Tuomas blickte. „Gut. Wir bleiben hier in der Nähe, kommt einfach wieder her, wenn ihr soweit mit Lucifer fertig seid. Wenn es Probleme gibt, meldet euch, und ich hoffe, dass ich euch dann helfen kann.“
      „Ich find’s toll, vollkommen unvorbereitet in die Schlacht zu rennen“, sagte Tuomas, wurde aber einfach ignoriert. Sirius packte ihn am Ärmel und wollte ihn schon mit sich ziehen, drehte sich aber noch mal um.
      „Da war noch was. Wie genau kommen wir jetzt zu Lucifers Villa?“

      Wird fortgesetzt.
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    • Original von FoWo
      Ihr seid LANGSAM.

      Ja, und du bist CAPS.

      Original von FoWo
      „Ras Alhague... Das einzige, was ich hier hält, ist Hass."

      Es müsste vermutlich "Was dich hier hält" heißen.

      Original von FoWo
      Und unter ihren Füßen brachen kleine Gräser und knospen zwischen dem Straßenpflaster hervor.

      Knospen ist ein Nomen.

      Original von FoWo
      Mane, du bleibst bei Gäa und weihst eise langsam und schonen in das ein, was sie erwartet."

      "Weihst sie langsam und schonend ein" ist zu bevorzugen.
      Überhaupt... zwei Typos in einem Satz? Sie lassen nach, junges Fräulein.

      Original von FoWo
      „Ich find’s toll, vollkommen unvorbereitet in die Schlacht zu rennen“, sagte Tuomas, wurde aber einfach ignoriert.

      Er soll sich nicht so anstellen, das mache ich auch immer so. Zieht einige Beulen nach sich, macht aber einen Riesenspaß. ;3

      ~
      So, und nachdem wir die Typos und sonstige Kurzanmerkungen hinter uns gebracht haben, folgen nun zusammenhängende Sätze.
      Ich mag Gäa. Sehr sogar. Wie ich bereits erwähnte, ist mir die Art von mächtigen Wesen, die einfach nur herumläuft und durch einen kurzen Seitenblick alles Mögliche auslösen kann, einfach am liebsten. Acrux & Co. können ja froh sein, dass sie so friedliebend und hilfsbereit ist - gar nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das Gegenteil der Fall wäre ("Dieser Planet wird sich in fünf Sekunden selbst zerstören...").
      Überhaupt ist diese ganze "Leben geben und nehmen"-Sache ja etwas sehr Ehrfurchteinflößendes, über das man sich als kontinuierlich alterndes Menschenwesen durchaus mal so seine Gedanken machen kann. Die behutsam-friedliche und dennoch sehr deutliche Darstellung von Gäas Kräften (abgesehen von dem Zwischenfall mit Lucretia xD; ) hat mir ebenfalls sehr gefallen, weil sie einerseits nicht zu sehr auf den Leser einschmettert, ihm aber andererseits doch zeigt, dass Gäa in Sachen Macht hier das Maß der Welt zu sein scheint.

      Die Tatsache, dass Lucifer doch noch lebt, zumindest ein bisschen, hat mich ehrlich gesagt sogar überrascht. Wobei es mich ja schon interessiert, was er jetzt an der Siegeltür zu tun gedenkt. Neue Lebenskraft saugen, spontane Öffnungsversuche betreiben oder irgendwas komplett anderes? Wir werden es ja lesen. :3

      Aber ich finde es schön, dass dieser "Alle werden getrennt und müssen wieder zusammen und nebenbei noch zu sich selbst finden"-Teil jetzt vorbei ist. Erwähnte ich schon, dass ich diese Teile am wenigsten mag und immer sehr froh bin, wenn das ganze Pack wieder vereint ist? xD;
      Achte nur darauf, dass Mane und Sirius jetzt nicht ganz zu blöd in der Ecke stehenden Nebencharakteren verkommen. Denn so kam mir das im letzten Teil des Absatzes fast vor, also denk beim Finale - auf das wir ja jetzt, da alles geklärt ist, mit schnellem Schritt zurasen müssten - daran, den beiden noch eine, soweit es einbaubar (seltsame Wörter whut) ist, bedeutsame Funktion zuzuteilen.

      dead girls dry each others eyes
      and pretend for a while
      that we're still alive.


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