Selbstkritik, Vorstellungen und hohe Ansprüche

    • Selbstkritik, Vorstellungen und hohe Ansprüche

      Da, durch die momentane Runde der Buttfucking Stories immer häufiger zum Vorschein komm, dass viele User hier mit eigenen Ansprüchen und Vorstellungen zu kämpfen haben -mich, im übrigen mit eingeschlossen - dachte ich mir wie Bereth, dass ein Diskussionsthema hierzu gar nicht mal so fehl am Platz sein könnte.

      Die Schreiberlinge der oben genannten Boardveranstaltung äußern sich hier häufig darüber, dass sie ihr eigenes Werk schlichtweg scheisse finden.
      Ich kann dies nachvollziehen, ich werde meinen Ansprüchen zu wenig gerecht, dass ich nicht einmal einen Anfang finden konnte auf dem ich was aufbauen wollen würde.
      Ich werde hier eiskalt von meinen eigenen Ansprüchen und Vorstellungen ausgebremst und bringe daher auch nichts zustande mit dessen veröffentlichung ich unbeschwert leben könnte.

      Für mich persönlich könnte ich es auf etwas zurückführen, dass sehr gut von Naruya beschrieben wurde.
      Original von Naruya
      Ich war früher nicht so, Bereth. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich mittlerweile so selbstkritisch bin... na ja, vll weiß ich es schon. Es ist in den letzten Jahren vieles passiert, das mich hat zweifeln lassen (generell und auch an mir selbst), dass ich da Hemmungen aufgebaut habe.
      Wie gesagt: früher habe ich Zeug rausgehauen ohne groß darüber nachzudenken, aber mittlerweile geht es einfach nicht mehr. Vielleicht komme ich mit mehr Praxis da auch wieder raus, aber mh ja...


      Wie geht es euch da?
      Wie Steht ihr zu Ansprüchen, Vorstellungen und Selbstkritik?
      "I believe in a universe that doesn't care and people who do."
    • Also, bei mir ist es so, dass die Ideen einfach so zugeflogen kommen. :D
      Aber dabei steht immer eine Frage im Vordergrund: "In welcher Welt soll die Geschichte stattfinden?"

      Nachdem das geklärt ist, stell ich mir im Grunde die üblichen W-Fragen, wie z.B. "Wer soll der Hauptcharakter in der Geschichte sein?"

      Anschließend kommen dann einfach die Ideen zu einer Handlung. Aber im Fall der Buttfucking Story hab ich mich einfach an meinem Hauptthema und einer Asso orientiert.

      Ansprüche

      Ich formuliere einfach einige Sätze und nach ca. 10 korrigiere ich sie dann so lange, bis sie mir gefallen. Das mache ich dann einfach so lange, bis die Geschichte fertig ist - meine Ansprüche hätte ich somit befriedigt.^^


      Vorstellungen

      Die kommen einfach. Die mach ich mir. Dieser Punkt verläuft bei mir im Grunde random ab. :D


      Selbstkritik

      Natürlich geb auch ich die mir selber. Aber das Prinzip oder die Welt ändert sich dadurch trotzdem nicht. Wie gesagt kontrolliere ich meine Sätze regelmäßig und bin dann auch mit ihnen zufrieden. Aber im Großen und Ganzen kritisiere ich - aus den eben genannten Gründen - meine Geschichten selten. Und das funktioniert auch echt gut.^^


      Kann der ein oder andere mal ausprobieren, wenn er will. ;)
      Das einzige Problem bei mir ist die Motivation, die ab und zu in den Keller geht, (um einen Kasten Bier zu holen). Aber Musik hilft auch bei diesem Problem.^^

      Cheers!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von TheMadZocker ()

    • Hab den Thread zu spät gesehen, aus Überforderung zitiere ich mich ausm BFS-Orga-Thread selbst

      Original von pondo
      So eine Schreibblockade ist ein spannendes Thema, kennen werden es ja die meisten. Im Endeffekt ist es doch so, man kann durch Zeitlimit (und damit einhergehender Prokrastination) und Fremdeinfluss via Assos gar nix "Perfektes" schaffen. Aber diese Faktoren nehmen einem, mir zumindest, auch immer ein wenig die Last, weil ich ja weiß, dass es aus der Situation heraus entstanden ist und oft einfach ein Konglomerat von verschiedenen Ideen und Einflüssen ist. Meine BFS2 zB, total unausgegoren, aber trotzdem fand ichs in gewisser Weise lustig. Bei mir ist es außerdem immer ein relativ langer Prozess, weil am Anfang erstma das Drauflosgeschriebene steht, das ich dann überarbeite, das ich dann überarbeite, wovon ich mir die beste Idee rausnehme, das ich dann überarbeite. Im Idealfall, bei viel Zeit. Die meist nicht da ist. |D Drauflosschrieben hilft bei mir meistens.

      Zum Ideenfinden könnte ein Ansatz sein: Man greift sich die schwierigsten Assos, denkt sich jeweils ein kurzes Szenario aus (so bescheuert es auch sein mag), in welchem man die jeweilige Asso möglichst natürlich verwenden kann, und versucht dann anschließend diese Szenarien zu verbinden. Bämm. Und dann steht eine Basis, mit der man arbeiten kann. ...ob dann natürlich was Zufriedenstellendes entsteht, sei erstmal dahingestellt. Einen Versuch ist es immer wert.

      Ich glaube generell, selbst Unausgegorenes zu veröffentlichen und der Kritik zu stellen, bringt einen persönlich weiter, als es nicht zu tun und sich im Kreis zu drehen. Hier wird ja nu niemand fertiggemacht, es ist einfach ein Austausch. Also, seid mutig! :3

      Und ich glaube, jeder, der irgendwas Künstlerisches mal gemacht hat, kennt das Gefühl gut, alles zusammenzuknüllen und wegschmeißen zu wollen. Ich habe mal in einer Nacht, in der ich vom Leben sehr, sehr frustriert war, besoffen einen knapp dreißigseitigen "Romananfang" gelöscht. Vieles davon war sicherlich scheiße, aber um manche Ideen finde ich es schade und als Zeitzeugnis wär mir das heute viel wert.




      ... manchmal tut es einfach weh, wenn ich feststellen muss, dass ich meinen Vorstellungen nicht gerecht geworden bin. Aber ich merke dann auch oft, dass mit mehr investierter Energie und Zeit auch ein besseres Ergebnis erzielt hätte. Das führt bei mir dazu, dass es mir leicher fällt, überhaupt erstmal anzufangen, weil ich verinnerlicht habe, es sowieso noch tausendmal überarbeiten zu müssen. Ganz niedrigschwellig. Meister fallen leider selten vom Himmel.
      "Look up in the sky, it's a bird, it's a plane?"
      "Nah bitch, Super Balls is the name!"
    • Vielleicht ist es der Wunsch, dass wir wieder eine Buttfuckingrunde machen, vielleicht auch die Kombination aus einem Verlangen nach Diskussion und dem Wunsch nach Ablenkung -- auf jeden Fall wird es höchste Zeit, dass ich in diesem Thread mal was schreibe, nachdem ich mich damals anscheinend dafür ausgesprochen habe. 8|


      Dr.Agynn schrieb:

      Ich werde hier eiskalt von meinen eigenen Ansprüchen und Vorstellungen ausgebremst und bringe daher auch nichts zustande mit dessen veröffentlichung ich unbeschwert leben könnte.


      Für mich persönlich könnte ich es auf etwas zurückführen, dass sehr gut von Naruya beschrieben wurde.
      Original von Naruya
      Ich war früher nicht so, Bereth. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich mittlerweile so selbstkritisch bin... na ja, vll weiß ich es schon. Es ist in den letzten Jahren vieles passiert, das mich hat zweifeln lassen (generell und auch an mir selbst), dass ich da Hemmungen aufgebaut habe.
      Wie gesagt: früher habe ich Zeug rausgehauen ohne groß darüber nachzudenken, aber mittlerweile geht es einfach nicht mehr. Vielleicht komme ich mit mehr Praxis da auch wieder raus, aber mh ja...
      Wie geht es euch da?
      Wie Steht ihr zu Ansprüchen, Vorstellungen und Selbstkritik?
      Ich denke, ab einem gewissen Punkt im eigenen Schaffensprozess kennt dieses Gefühl jeder von uns. Je mehr Techniken wir kennenlernen, desto eher sehen wir, wenn wir diesen nicht entsprechen in unserem Werk. Und natürlich haben viele kreative Köpfe den Wunsch, sich immer zu verbessern, bloß nicht auf der Stelle stehen zu bleiben.

      Grundsätzlich denke ich allerdings, dass diese Fähigkeit zur Selbstkritik in einem gewissen Rahmen gesund ist. Diesen Rahmen zu finden, das ist dabei wohl die schwerste Hürde. Wo fängt bloße Selbstkritik, das Erkennen von "Fehlern" (gemessen am Ideal, das man erreichen will) an, wo endet sie und geht über in Selbsthass, der die eigene Kunst schließlich hindert oder sogar zerstört? Meines Erachtens muss jeder da für sich ein Gleichgewicht finden. Als Voraussetzung dafür betrachte ich das Bewusstsein, dass wir das ganze Leben über dazulernen. Wir lernen, also machen wir auf diesem Weg zweifellos auch Fehler. Wir haben ein Ziel, das wir erreichen wollen, aber natürlich ist der Weg dahin weit, wie man so sagt.

      Ich habe mir entsprechend seit vielen Monaten immer wieder bewusst gemacht, dass mein Schaffen grundsätzlich gar nicht perfekt sein kann, ob es sich um eine Reizwortgeschichte handelt oder um die Umsetzung meiner eigenen Ideen. Tatsächlich finde ich dieses Bewusstsein beruhigend. Es gibt mir die Möglichkeit, auch mal zurückzublicken und zu sagen: "Da warst du mal, du bist schon einen weiten Weg gekommen." Ich teile meinen Entwicklungsprozess rückblickend in Stadien ein: Zu viele Adverbien, zu viel Pathos, dann die Zeit der inkonsistenten Figuren, aktuell feile ich an Klarheit, Metaphern und "show don't tell" -- es ist und bleibt ein Lernprozess und die Kurzzeitziele, die ich mir für das Schreiben setze, sind sehr viel bodenständiger geworden, erreichbarer. Ein Schritt nach dem anderen -- einen Kuchen machen wir schließlich auch Stück für Stück und zaubern aus Teigmatsch am Ende doch ein Kunstwerk. ^^

      pondo schrieb:

      Original von pondo
      So eine Schreibblockade ist ein spannendes Thema, kennen werden es ja die meisten.

      Fett markiert zur Hervorhebung.

      Ganz ehrlich: Ich halte "Schreibblockaden" mittlerweile für einen Mythos. Nicht etwas das Gefühl der Blockade als solches, die Empfindung, dass wir vor einer Wand stehen, sicher sind, dass auf der anderen Seite der Text in allen Farben und Formen vor uns ausgebreitet liegt und uns schlichtweg die Kraft fehlt, diese Wand einfach zu durchbrechen -- nein, das Gefühl kenne ich auch ganz gut.

      Aber ich halte es für selbstgemacht. Je unsicherer wir in unserem Schaffen sind, je ängstlicher bei dem Gedanken es anderen zu zeigen, je stärker die Furcht vor harscher Kritik, desto dicker wird die berühmte Wand. Weil wir sie selbst mit jedem Zweifel Ziegel um Ziegel hochziehen. Da spielt meines Erachtens dieses Gleichgewicht aus Selbstkritik und Selbstzerstörung mit rein. Was wollen wir? Was erwarten wir von uns? Was, denken wir, erwarten andere von uns? Und wollen wir uns wirklich um den Lernprozess bringen, nur weil wir Angst haben, Fehler zu machen?

      Die Fragen muss natürlich jeder für sich selbst beantworten. Ich persönlich halte jedes Wort, das man schreibt und veröffentlicht (oder Bekannten zum Lesen gibt) für einen Beweis, dass wir in der Lage sind, unsere Angst vor Bewertung immer und immer wieder zu besiegen. Schreiben ist letztendlich -- mutig. Besser werden wir in jedem Fall immer nur dann, wenn wir uns unserer Angst stellen; aber dazu müssen wir eben auch einen gewissen Raum lassen für Selbstkritik. Ohne uns ständig fertigzumachen. :)
    • Die Existenz dieses Threads hatte ich völlig vergessen - entsprechend überrascht war ich, als ich eine Antwort von mir selbst darin sah. ^^'

      Etwas OT, aber dennoch: Zur nächsten BFS ein Spoiler für die Interessierten -

      Es erfreut mich einerseits und macht mich andererseits auch etwas beschämt und traurig: Da an der einen oder anderen Stelle, natürlich auch von mir selbst, von einer neuen Runde BFS geredet wurde, muss ich für den Umstand, dass es voraussichtlich in diesem Jahr keine BFS geben wird, um Entschuldigung bitten. Ich denke da seit geraumer Zeit dran, aber ich komme momentan nicht dazu. Das liegt daran, dass ich zwar endlich auch einmal den Sprung vom BA zum Masterstudium geschafft habe, allerdings arbeite ich noch bis einschließlich diesen Monat zusätzlich zum Vollzeitstudium 18h/Woche. Plus Freundin und sozialen Verpflichtungen usw bleibt da einfach wenig Zeit übrig. Im Dezember werde ich zwar weniger arbeiten, muss aber Referate vorbereiten, Geschenke besorgen eine Menge Glühwein trinken.
      Auch wenn ich in Sachen Zeitplanung sicherlich keine Orden verdient habe, hab ich für mich schon sehr viel Bock auf Buttfucking Fünf und verspreche, dass es ab Januar, spätestens zu den Semesterferien wieder so weit sein wird. Für die, die Lust haben.



      Bereth schrieb:

      Ganz ehrlich: Ich halte "Schreibblockaden" mittlerweile für einen Mythos


      Heh, ich auch.
      Ich muss ehrlich zugeben, dass ich für eine sehr lange Zeit den Schreibprozess letztendlich doch sehr romantisiert habe und den Aspekt, dass ein außerordentlicher Teil einfach Handwerk und insbesondere Arbeit ist, unbeachtet ließ. Wer nicht den Fleiß und die Disziplin hat, einen nicht unerheblichen Teil seiner Zeit für den mitunter durchaus schmerzhaften Prozess des Schreibens aufzuwenden, trägt meist selbst die größte Schuld an unerfüllten Ansprüchen. Ich will nicht verbittert klingen; eben das fällt den einen leichter und den anderen schwerer, aber nichtsdestotrotz muss man sich einfach in gewissen Stunden am Riemen reißen, auch wenn das Ergebnis erstmal flach und nichtssagend ist. Mit regelmäßiger Übung fließt es schon. Davon bin zumindest ich inzwischen überzeugt.

      Im Generellen kann ich nur Bereths Post unterstreichen. Regelmäßiges Überwinden auch hinsichtlich des Veröffentlichens ist immer hilfreich. Bisweilen ist es natürlich schwierig, Resonanz zu bekommen, aber das ist ja wieder eine andere Geschichte.
      (-> Wer will ein jüngst und unter Zeitdruck geschriebenes Märchen von mir lesen, das für mein aktuelles "Textkompetenz - Märchen im Deutunterricht"-Seminar entstand?)
      "Look up in the sky, it's a bird, it's a plane?"
      "Nah bitch, Super Balls is the name!"
    • pondo schrieb:

      (-> Wer will ein jüngst und unter Zeitdruck geschriebenes Märchen von mir lesen, das für mein aktuelles "Textkompetenz - Märchen im Deutunterricht"-Seminar entstand?)
      Hier, ich! (Hab selbst viel zu tun und daher keine Garantie, wie schnell ich dabei bin, aber erst mal: *haben will* xD)
      (Leer mal deine Konversationen, mein Lieber, hätte dir das eigentlich eher privat geschrieben. ^^)


      pondo schrieb:

      Ich muss ehrlich zugeben, dass ich für eine sehr lange Zeit den Schreibprozess letztendlich doch sehr romantisiert habe und den Aspekt, dass ein außerordentlicher Teil einfach Handwerk und insbesondere Arbeit ist, unbeachtet ließ.
      Oh ja. Genau das. Ich glaub, da spielt auch ein wenig dieses Bild vom "verrückten Genie" mit rein. Die Texte fließen nur so, wenn man ein genialer Kopf ist etc.p.p., all dieser Humbug, der eben seit knapp 150 Jahren das Bild des Autors prägt. Sich davon zu lösen, fand ich unheimlich schwer, aber irgendwo verleiht es einem mehr Eigenständigkeit und "Macht" über das eigene Schreiben, wenn man die Idee des Genies einmal abgeschüttelt hat. Denn wenn es nicht am Talent allein liegt, bin nur ich selbst verantwortlich dafür, dass ich immer besser werde. Und das ist doch was Gutes. :)
    • Ein Kunstschaffender hat immer sein eigener schlimmster Kritiker zu sein. Sich mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden zu geben ist immer ein Denkfehler, der einen davon abhält, wirklich großartiges erschaffen zu können. Ob nun Schreiben, Zeichnen, Komponieren, Layouten, Bildhauen.. Wenn man sich ernsthaft in professionelle Sphären begeben und aus der Leidenschaft mehr als nur ein Hobby machen will, muss man sich der globalen Konkurrenz bewusst sein. Der Prozess ist dabei wie ein Leiter; Man kann natürlich von seiner Sprosse nach unten gucken und die auslachen, die auf den Stufen unter einem langsam nach oben kraxeln oder feststecken, aber das bringt weder einem selber (bis auf ein wenig egoistische Genugtuung) noch diesen etwas. Man kann sich auf seiner Sprosse hinsetzen und ausruhen, muss dann aber mit denen Leben, die an einem vorbeiklettern werden, und damit, dass die Distanz zu denen über einem wächst und wächst. Die meisten sehen nun nach oben und verzweifeln am Unverständnis dafür, wie die Leute über einem so weit gekommen sind, werfen sich vor, das selber nicht so effektiv zu machen- aber das ist genau so zwecklos. Man sollte eher beobachten, was für Klettertechniken die über einem haben und verstehen, dass man beim Weiterklettern ihre Stufe erreichen und sie gar überholen kann. Gesunde Selbstkritik und Nicht-Zufriedengabe mit dem aktuellen Stand der Arbeit bedeutet auch ein Streben nach mehr. Bestenfalls sollte man lernen, sich realistisch einzuschätzen und die Motivation aufzubauen, gerade an den Fehlern und Schwächen zu arbeiten und diese Auszubessern bis man sie einfach nicht mehr macht, anstatt den Zettel zusammengeknüllt in den Mülleimer zu werfen. Unzufriedenheit muss nicht gleich Verzweiflung sein, sondern kann auch das Feuer sein, dass einen antreibt, Großes zu leisten. Jegliche Kreativarbeit ist immernoch Arbeit, ein Handwerk, etwas, das man lernen kann- egal, wie sehr wir den Begriff "Kunst" gesellschaftlich mystifiziert haben.
      Top 4™ General


      I AM THE BEAST I WORSHIP
    • Damit habe ich auch zu kämpfen. Ich verlange mir selbst viel ab, gerade im Bereich der Musik. Egal ob ich die perfekte Geige bauen möchte oder ein schwieriges Stück innerhalb kürzester Zeit lernen will, ich treibe mich oft zu Höchstleistungen an und übernehme mich dabei, stehe mir selbst im Weg.

      Ich wünschte, ich würde manches nicht so verbissen sehen. Einerseits macht es Spaß, sich selbst immer neue Herausforderungen zu stellen, andererseits behindert mich mein kritisches Selbstbild daran, es dauerhaft zu genießen. Ich denke ständig, dass ich noch viel besser sein müsste, nicht gut genug bin auch wenn ich mich sehr anstrenge und es einfach nie ausreicht. Das wiederum führt dann zu Frust. Andere nervt es auch, wenn wir in der Gruppe Musikstücke einstudieren und ich dann mit meinem Part nie zufrieden bin, brauchen wir ewig, zudem trübt es die Stimmung. Habe dazu schon viel Kritik bekommen, versuche auch das zu ändern nur ist es so schwer für mich.

      Ich denke es rührt daher, dass mein älterer Bruder als Dirigent und Komponist die "Vorreiterrolle" hat und uns Geschwistern immer wieder neue Maßstäbe setzt, was eine Höchstleistung/musikalische Perfektion ist. Er ist ein absolutes Ausnahmetalent, meine Schwestern und ich haben immer das Gefühl, mit ihm mithalten zu müssen oder an ihn heranreichen zu müssen. So bin ich damit groß geworden, meine Leistung ständig zu hinterfragen. Ein Knopf zum Abstellen wäre nicht schlecht, es ist so anstrengend nie mit sich selbst zufrieden zu sein.
    • @Yeti habe da ein sehr ähnliches Problem auch wenn es eher im Bereich hip hop liegt. So ist man stets unzufrieden mit sich. jedes Mal wenn ich den nächsten 8 silbrigen reim entdeckt habe (was bei mir nicht selten ist) geh ich oft mit der Einstellung heran den restlichen Song auf dem selben Level zu schreiben. Was zwar manchmal geschieht, jedoch muss man wissen wann Sinplizität dass Ergebnis verbessert.

      Kenne mich jetzt leider nicht so sehr im Bereich Klassik aus, aber auch hier denke ich mal, dass es mit Sicherheit produktiv sein kann auch mal mit einer lockereren Einstellung heranzugehen. Der Stress den man sich durch Perfektionismus macht blockiert den Denkvorgang oft eher. Ich selber komme zu besseren Ergebnissen wenn ich mit gesenkten Ambitionen oder evt auch mal nur spaßeshalber zu Zettel und Stift greife.
      Immer für 25ct dankbar!
    • Pfandflaschensammler schrieb:

      @Yeti habe da ein sehr ähnliches Problem auch wenn es eher im Bereich hip hop liegt. So ist man stets unzufrieden mit sich. jedes Mal wenn ich den nächsten 8 silbrigen reim entdeckt habe (was bei mir nicht selten ist) geh ich oft mit der Einstellung heran den restlichen Song auf dem selben Level zu schreiben. Was zwar manchmal geschieht, jedoch muss man wissen wann Sinplizität dass Ergebnis verbessert.

      Kenne mich jetzt leider nicht so sehr im Bereich Klassik aus, aber auch hier denke ich mal, dass es mit Sicherheit produktiv sein kann auch mal mit einer lockereren Einstellung heranzugehen. Der Stress den man sich durch Perfektionismus macht blockiert den Denkvorgang oft eher. Ich selber komme zu besseren Ergebnissen wenn ich mit gesenkten Ambitionen oder evt auch mal nur spaßeshalber zu Zettel und Stift greife.
      Du hast völlig recht, eine unverkrampfte Haltung ist da oftmals besser und im Prinzip weiß ich das auch, verfalle nur immer wieder in meine alten Muster.

      Mit Hip Hop kenne ich mich nicht so gut aus klingt aber interessant, da selbst Texte zu schreiben. Ich sehe das immer als eine Art "Wortakrobatik" an, bewundere es, wenn jemand da sinnige Sachen zustande bringt, die auch noch rhythmisch interessant sind. Machst Du das schon lange, selbst Texte schreiben?

      Der Spaß bleibt bei meinen Mustern dann leider auf der Strecke, genau das ist es nämlich. Ärgert mich auch, dass ich immer wieder so bin, würde damit wirklich gerne aufhören, mich selbst unter Druck zu setzen. Blockaden aufgrund dieser Einstellung kenne ich auch nur zu gut. Manchmal sitze ich einfach fest und kann nicht weiter machen, was zu noch mehr Frust führt. Werde leider auch von anderen öfters mit meinem älteren Bruder verglichen, das triggert meine Verbissenheit extrem und ich habe das Gefühl, eine absolute Höchstleistung bringen zu müssen.
      Ich hoffe, dass ich es schaffe, das irgendwann lockerer zu sehen, nicht immer darauf anzuspringen und nicht so hart zu mir selbst zu sein.
    • Yeti schrieb:

      Pfandflaschensammler schrieb:

      @Yeti habe da ein sehr ähnliches Problem auch wenn es eher im Bereich hip hop liegt. So ist man stets unzufrieden mit sich. jedes Mal wenn ich den nächsten 8 silbrigen reim entdeckt habe (was bei mir nicht selten ist) geh ich oft mit der Einstellung heran den restlichen Song auf dem selben Level zu schreiben. Was zwar manchmal geschieht, jedoch muss man wissen wann Sinplizität dass Ergebnis verbessert.

      Kenne mich jetzt leider nicht so sehr im Bereich Klassik aus, aber auch hier denke ich mal, dass es mit Sicherheit produktiv sein kann auch mal mit einer lockereren Einstellung heranzugehen. Der Stress den man sich durch Perfektionismus macht blockiert den Denkvorgang oft eher. Ich selber komme zu besseren Ergebnissen wenn ich mit gesenkten Ambitionen oder evt auch mal nur spaßeshalber zu Zettel und Stift greife.
      Du hast völlig recht, eine unverkrampfte Haltung ist da oftmals besser und im Prinzip weiß ich das auch, verfalle nur immer wieder in meine alten Muster.
      Mit Hip Hop kenne ich mich nicht so gut aus klingt aber interessant, da selbst Texte zu schreiben. Ich sehe das immer als eine Art "Wortakrobatik" an, bewundere es, wenn jemand da sinnige Sachen zustande bringt, die auch noch rhythmisch interessant sind. Machst Du das schon lange, selbst Texte schreiben?

      Der Spaß bleibt bei meinen Mustern dann leider auf der Strecke, genau das ist es nämlich. Ärgert mich auch, dass ich immer wieder so bin, würde damit wirklich gerne aufhören, mich selbst unter Druck zu setzen. Blockaden aufgrund dieser Einstellung kenne ich auch nur zu gut. Manchmal sitze ich einfach fest und kann nicht weiter machen, was zu noch mehr Frust führt. Werde leider auch von anderen öfters mit meinem älteren Bruder verglichen, das triggert meine Verbissenheit extrem und ich habe das Gefühl, eine absolute Höchstleistung bringen zu müssen.
      Ich hoffe, dass ich es schaffe, das irgendwann lockerer zu sehen, nicht immer darauf anzuspringen und nicht so hart zu mir selbst zu sein.

      Hätte ja evt eine Kostprobe dahingehend

      Spoiler anzeigen

      (Ich spare mir mal die ersten zwei Zeilen weil die ohnehin nur da sind um einen gut klingenden Anfang zu haben)
      Mcs wie du ihr klingt alle Second Hand
      Und bevor aus euch mal was wird wird Hillary Präsident
      Ja ihr bietet eine exquisite Angriffsfläche
      Höre eure Tracks doch kriege, exzessive Lachanfälle
      Verteile recht massive, effektive Panzerschellen
      Wenn ich noch einmal höre ich solle langsamer Rappen
      Spoiler anzeigen
      Ist tatsächlich ein Kritikpunkt den ich oft höre.

      Ihr habt euch eine ernste Feindschaft gemacht
      Nanntet mich kollegah Kopie nur weil ich reimtechnik hab
      Ich bekam nach jedem Part zu hören wie wenig Eignung ich hab
      Doch ich wusste aus mir wird keine reinigungskraft
      Und das ist nicht irgendsoein scheiß den ich Quatsch
      2008 schrieb ich die ersten Zeilen auf das Blatt
      Dachte jetzt kriegt jeder whack mc nen Einlauf verpasst
      Doch merkte damals waren meine Lines noch zu schwach
      (Reicht glaube ich um reine Technischen Fähigkeiten zu veranschaulichen)


      Mal bewusst etwas das vielleicht auch schon thematisch tiefer geht. Bin ansonsten eher sehr battlerap lastig. Mache das ganze auch schon ca. Acht oder neun Jahre lang und gedenke zur Zeit zum ersten Mal etwas zu veröffentlich.

      Wie gesagt auch etwas das ich selber erst lernen musste war, dass Simplizität wenn sie an den richtigen Stellen eingesetzt wird sehr wirkungsvoll sein kann. Man muss sich manchmal etwas zurücknehmen und den Drang nach Höchstleistung dem Bedürfnis nach Spaß unterordnen.
      Ich persönlich bin auch in solchen Phasen wesentlich produktiver und vor allem auch qualitativ besser, da ich andernfalls schon eher an Musik herangehen würde als sei es Arbeit.
      Immer für 25ct dankbar!
    • Bisschen ein älterer Thread, aber ich geb mal etwas Senf hinzu, vielleicht auch, weil ich selber schreibe (Link in der Sig, hurr hurr) und trotz mangelnder Erfahrung doch die Probleme verstehe.


      Fakt ist, man wird seine eigenen geschriebenen Texte immer scheiße finden. Das liegt einfach darin, dass in der Übersetzung viel verloren geht. Man denkt sich vielleicht komplexe Welten aus, Figuren mit Emotionen, Hintergrund, manchmal ein gesamtes Universum - und dann soll man das ganze in Worte fassen. Nicht einmal die Hälfte von dem, was man sich ausgedacht hat, schafft es jemals aufs (sprichwörtliche?) Papier, man kämpft mit Beschreibungen. Ist es zu lang, ist es zu kurz? Kommt man mit? Werden Leute das verstehen und spannend finden? Und da sitzt man dann, starrt die Zeilen auf dem Bildschirm an und denkt sich nur "Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte".

      Umgekehrt - liest man ein Buch, das man nicht geschrieben hat, passiert das Gegenteil. Man liest die Zeilen im Buch und im Kopf entstehen dann Welten und Charaktere.

      Oder einfach ausgedrückt - schreibt man, geht auf dem Weg vom Kopf zum Papier viel verloren. Liest man, bekommt man auf dem Weg vom Papier zum Kopf vieles dazu.


      Aber vielleicht hilft es, sich vor Augen zu halten, dass jemand eines Tages mit dem, das man selbst geschrieben hat, die zweite Situation erlebt. Niemand wird je genau das sehen und empfinden, das man selbst beim Schreiben hatte (oder wollte). Aber sie werden eine eigene Version der Geschehnisse im Kopf haben. Vermutlich eine bessere, als man ihnen und seinem eigenen Text zutrauen würde.

      (Kann man natürlich auch auf Musik beziehen, nicht nur auf Geschichten.)



      Und Unzufriedenheit ist eigentlich etwas Gutes. Wäre niemand uzufrieden, würden wir immer noch in Höhlen sitzen und an Mammutschenkeln knabbern.